Christian Herrmann

Jugendarbeit und Schule: Jugendaustausch lebt von der Begeisterung derer, die ihn machen

Es sind dieselben jungen Menschen, die morgens in die Schule und nachmittags ins Jugendzentrum gehen. Dennoch sind die Berührungen beider Bildungsbereiche rar. Könnte das bei internationalen Projekten anders sein? Das Team von „Kommune goes International“ hat auf einem Fachtag Akteure aus Schule und Jugendarbeit zusammengebracht, um die Möglichkeiten von Kooperationen auszuloten.

BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0

Was Schule in internationalen Projekten zu bieten hat, ist in der Jugendarbeit ein oft übersehener Bereich. Vier Schulen nutzten daher auf dem Fachtag „Kooperation Internationale Jugendarbeit und Schule“ des Netzwerks „Kommune goes International“ am 29. November in Kassel die Möglichkeit sich vorzustellen. Die Absicht war durchaus werbend, denn die beteiligten Schulen können sich Kooperationen mit Trägern der Internationalen Jugendarbeit vorstellen.

Schule möchte mit Jugendarbeit kooperieren

Dieter Holstein ist an der Oskar-von-Miller-Schule in Kassel zuständig für die Fort- und Weiterbildung. 50 Schüler/-innen seiner Schule nehmen jedes Jahr an internationalen Projekten Teil. Dass dies möglich ist, verdanken die Schüler/-innen der strukturellen Verankerung internationaler Zusammenarbeit im Selbstbild der Schule. Die Oskar-von-Miller-Schule begreift ihre internationalen Projekte als Teil eines lebensbegleitenden Lernens. „Dazu gehört interkulturelle Kompetenz“, sagt Holstein. Für ihn ist dies ein wichtiger Aspekt von Schulentwicklung. Auswirkung hat das auch auf die Personalentwicklung gehabt, denn internationale Projekte brauchen auch Pädagog(inn)en, die sie umsetzen können. Gerne würde er mit außerschulischen Bildungsträgern kooperieren, um auch deren Know-how nutzen zu können.

Dieser Wunsch eint Holstein mit seinem Kollegen Marcus Mildner, Schulsozialarbeiter an der Wiesbadener Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule. Mildners Schule ist mit 42 Nationalitäten ziemlich bunt, aber 40% der Schüler/-innen beziehen Transferleistungen und damit sind sie auch ziemlich arm. „Müssten sie eine Reise, die wir mit ihnen machen, selbst finanzieren, dann könnten sie es sich nicht leisten“, sagt Mildner über seine Schüler/-innen. Mildner ist aber kein Reisebüro, ihm geht es um die Förderung der schwachen Schüler und nicht um die Belohnung der guten. „Den willst du wirklich mitnehmen?“ wird er manchmal von Kolleg(inn)en gefragt. Er muss sich dann durchsetzen. Mildner kooperiert mit einer Partnerschule in Florina im Norden Griechenlands und kann die Besonderheit des Begegnungserlebnisses für seine Schüler/-innen nicht genug betonen. „Soziale und personale Kompetenzen sind merkbar gestiegen“, stellt Mildner fest.

Mathias Koch und Stefan Alsenz stellen die Arbeit zweier Kasseler Schulen gemeinsam vor, denn beide arbeiten an Europaschulen. Europaschulen müssen europäische und internationale Projekte durchführen. Die soziale Zusammensetzung ihrer beiden Schulen könnte jedoch kaum unterschiedlicher sein. Die Georg-August-Zinn-Schule ist eine integrierte Gesamtschule, die Albert-Schweitzer-Schule ein Gymnasium. „Ich muss meinen Schüler/-innen nicht beibringen, wie man reist, die haben schon Auslandserfahrungen“, sagt Alsenz über die Albert-Schweitzer-Schule. Für internationale Projekte engagieren sich beide Lehrer. „Jugendaustausch lebt von der Begeisterung derer, die ihn machen“, sagt Koch. Beide würden gerne mit Partnern in der außerschulischen Bildung kooperieren.

Schule und Jugendarbeit kommen miteinander ins Gespräch

In Arbeitsgruppen möchte man darüber sprechen, wie Schule und Jugendarbeit in gemeinsamen Projekten kooperieren können. Zwei sehr unterschiedliche Systeme bewegen sich aufeinander zu. Einigen Jugendarbeitern klingelt es noch in den Ohren, wenn sie sich an Begriffe wie „Sprachzwang“ im Zusammenhang mit der Unterbringung in Gastfamilien erinnern oder an die Vergabe von Noten für Schüler/-innen in internationalen Projekten. Wie kann die Zusammenarbeit für beide Seiten gewinnbringend sein, welche Rahmenbedingungen werden dafür gebraucht? Einen Fokus möchte man dabei auf die begleitende Elternarbeit richten, einen zweiten auf den Übergang von der Schule in den Beruf und die berufliche Bildung.

Schnell wird deutlich: Während Lehrer/-innen auf der Suche nach neuen Methoden sind, hoffen Jugendarbeiter/-innen auf neue Zielgruppen. Dass es in der Internationalen Jugendarbeit üblich ist, Jugendliche in die Programmplanung einzubeziehen interessiert Lehrer/-innen, dass sich ihnen neue Bildungszusammenhänge, wie Praktika oder Betriebe, eröffnen könnten, ist für Jugendarbeiter/-innen anziehend. Ein Problem ist jedoch formaler wie non-formaler Bildung gleichermaßen geläufig: die Finanzierung ihrer Projekte. Mit einem Markt der Möglichkeiten, an dem sich die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, das ENSA-Programm von Engagement Global und JUGEND für Europa beteiligten, klang der Fachtag aus.

Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0


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