Carina Feuerriegel

Jugendlichen ermöglichen, die Zukunft mitzugestalten

In der Projektphase seit 2015 sind neue lokale Partner zur Initiative „Kommune goes International“ hinzugestoßen. Sie haben sich selbst die Aufgabe gestellt, Internationale Jugendarbeit wieder in den kommunalen Strukturen zu verankern. Mit einem Trainingsseminar im April wurden sie dabei unterstützt, lokale Entwicklungspläne auf den Weg zu bringen. Mit zwei Teilnehmenden haben wir über ihre Eindrücke und Perspektiven gesprochen.

Eine Frau steht vor einem Flip-Chart und spricht.
BildImage: Kerstin Giebel

Bei dem Trainingsseminar „Lokale Entwicklungspläne auf den Weg bringen“ haben am 7. April 2016 Vertreter/-innen aus acht Kommunen teilgenommen. Während der eintägigen Veranstaltung in Hannover wurden sie von Hermann-Josef Pomp aus Essen sowie Kerstin Giebel und Bettina Wissing (beide IJAB) auf die Erstellung eines lokalen Entwicklungsplans für Internationale Jugendarbeit in ihrer Kommune vorbereitet. Sabine Fischer und Deniz Satir waren zwei Teilnehmende aus dem Kreis Recklinghausen und teilen mit uns ihre Eindrücke zu „Kommune goes International“ KGI und der Veranstaltung.


Deniz Satir und Sabine Fischer
Bild: Kerstin Giebel

Sabine Fischer ist Leiterin des Fachdienstes 57 – Seniorenangelegenheiten, Betreuungsstelle und Eingliederungshilfe – der Kreisverwaltung.
Deniz Satir ist Projektkoordinator bei RE/init e.V. Recklinghausen, einem arbeitsmarktorientierten Projekt für Menschen in besonderen Lebenslagen.

Frau Fischer und Herr Satir, bitte stellen Sie sich und Ihre Arbeit kurz vor.

Sabine Fischer: Im Rahmen meiner Tätigkeit bin ich für die Umsetzung verschiedener Projekte Demokratie leben, EU für Bürgerinnen und Bürger, Zukunftsstadt, EHAP, Taschengeldbörse und weitere Flüchtlingsprojekte zuständig. Im Rahmen dieser Projektarbeit und insbesondere der lokalen Partnerschaft für Demokratie ist die Internationale Jugendarbeit ein wichtiger Bereich, der in der Dimension beim Kreis noch fehlt.

Deniz Satir: Seit letztem Jahr bin ich in der Fach- und Koordinierungsstelle für das Bundesprojekt „Partnerschaften für Demokratie“ für den Kreis Recklinghausen tätig. Der größte Teil meiner Arbeit umfasst den Bereich des PR-Managements und die konzeptionelle Entwicklung der Partnerschaft für Demokratie. Außerdem berate und unterstütze ich interessierte Akteure hinsichtlich der Realisierung ihrer Projektvorhaben im Rahmen der Partnerschaft.

Der Kreis Recklinghausen ist seit Jahresanfang eine KGI-Kommune und kooperiert in diesem Rahmen mit dem Verein RE/init e.V. – was  waren Ihre Beweggründe sich dieser bundesweiten jugendpolitischen Initiative anzuschließen?

Sabine Fischer: Im Rahmen der Lokalen Partnerschaft für Demokratie arbeiten wir mit einem Jugendforum und fördern Projekte von und für Jugendliche mit und ohne Zuwanderungsgeschichte. Hier kann die Internationale Jugendarbeit ein wichtiger Baustein werden. Hinzu kommt, dass RE/init e.V. viele Erfahrungen mit der Jugendarbeit hat, die hier die erforderliche Grundlage bieten.

Deniz Satir: RE/init e.V. ist ein Bildungsträger, der sich auch dem Thema Internationalität verschrieben hat und diesem große Aufmerksamkeit widmet. So finden bereits seit 2009 durch das Projekt EUfit (plus) internationale Begegnungen statt, die vor allem benachteiligten Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund Auslandsaufenthalte ermöglichen. Die hier gewonnene transnationale Erfahrung soll den Teilnehmenden neue Perspektiven eröffnen und bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt bieten. RE/init ist sowohl entsendende als auch empfangende Organisation.
Ein wichtiger Grund der Initiative KGI beizutreten war es die Dimension jugendpolitischer Partizipation und der Internationalen Jugendarbeit im Kontext des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“ auszuweiten. Es geht darum konkrete nachhaltige Strukturen zu schaffen, in denen Jugendlichen ermöglicht wird, an der Zukunft mitzugestalten. In diesem Zusammenhang ist die Initiative KGI eine Bereicherung für den Kreis Recklinghausen.

Welche Ideen haben Sie aus dem Trainingsseminar mit nach Hause genommen? Welches werden nun Ihre ersten Schritte zu einem lokalen Entwicklungsplan sein?

Sabine Fischer: Ganz wichtig ist es, da der Kreis kein eigenes Jugendamt hat, noch mehr Partner und Unterstützer zu finden. Hier haben wir bereits auf der Rückfahrt von Hannover überlegt, wen wir gezielt ansprechen können. Ansprechpartner in der Kreisverwaltung werden die Jugend- und Auszubildendenvertretung sein, das Jobcenter, Schulen und der Bildungsbereich. Wir werden die Jugendlichen im Jugendforum einbinden und gemeinsam Überlegungen anstellen.

Deniz Satir: Wie Frau Fischer schon sagt, ist es wichtig, zunächst weitere Kooperationspartner für diese Themen zu finden, um dann in naher Zukunft einen lokalen Entwicklungsplan zu entwerfen.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen könnten, wie wünschen Sie sich den Stand der Internationalen Jugendarbeit in fünf Jahren?

Sabine Fischer: In fünf Jahren würde ich mir einen regelmäßigen internationalen Austausch von Jugendlichen z.B. mit unseren Partnerkreisen wünschen und andere Länder. Wünschenswert wäre es, dass die Auszubildenden aus der eigenen Verwaltung gemeinsam mit den Jugendlichen der Berufskollegs und „schwierigen“ Jugendlichen in den internationalen Austausch gehen und vielleicht eine Art Patenschaft der Jugendlichen untereinander entsteht. Für Jugendliche aus dem SGB II Bereich findet regelmäßig eine Qualifizierung mit einem Auslandsaufenthalt statt, damit sie darüber ihre Kompetenzen stärken und neue Erfahrungen sammeln können. Damit haben wir in der Vergangenheit gut Erfahrungen sammeln können, mussten diese aus finanziellen Gründen aber aufgeben.

Deniz Satir: Ich würde mir wünschen, dass neue internationale Kooperationen und starke Netzwerke mit europäischen als auch außereuropäischen Ländern entstehen. Jugendliche als auch Fachkräfte sollten über ihre Erfahrungen in Austausch treten können. Auf diese Weise sollen sie bestärkt werden, sich politisch, ökologisch sowie ökonomisch zu engagieren.



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