Andrea Bruns

Netzwerktreffen beleuchtete Zugänge zu Internationaler Jugendarbeit und Kooperation mit Schule

Am 13. November fand das jährliche Treffen des bundesweiten Netzwerks Kommune goes International in Kassel statt. Auf Einladung von IJAB und in Kooperation mit dem Jugendamt der Stadt Kassel kamen 25 Teilnehmende aus KGI-Kommunen zusammen, um sich mit der Bedeutung der in diesem Jahr vorgestellten Zugangsstudie für die kommunale Ebene zu beschäftigen. Außerdem setzten sie sich mit der Frage auseinander, wie eine Zusammenarbeit zwischen Schule und außerschulischer Jugendarbeit gelingen kann.

Eine Gruppe von Menschen steht im Gespräch in einem Raum.
BildImage: Andrea Bruns   Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0

Die Bürgermeisterin und Sozialdezernentin der Stadt Kassel, Ilona Friedrich, machte in ihrer Begrüßung auf das langjährige Engagement ihrer Stadt im Bereich der Internationalen Jugendarbeit aufmerksam. Das Sandershaus, welches neben einem Hostel auch eine Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen beherbergt, wertete sie als gutes Beispiel für ein gelungenen Begegnungsort der multikulturellen Gesellschaft in Kassel und damit als passenden Tagungsort für das Netzwerktreffen.

Albert Klein-Reinhardt, Referent für europäische und internationale Jugendpolitik im Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, verwies in seinem Grußwort auf die im Koalitionsvertrag angekündigte Stärkung der Internationalen Jugendarbeit. Der Deutsche Bundestag habe für die Jahre 2018 und ganz aktuell auch für 2019 bereits zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt. Mit der Reform des Kinder- und Jugendplans des Bundes sei seit 2017 dort im Leitbild die Zielsetzung verankert, dass Träger der Kinder- und Jugendhilfe verstärkt solche jungen Menschen an internationale Projekte heranführen sollen, die sonst kaum Möglichkeiten für entsprechende Erfahrungen haben.  Als ein Ergebnis der Zugangsstudie bekräftigte Klein-Reinhardt, dass Information und Beratung über Angebote der Internationalen Jugendarbeit verbessert werden sollen.

Bei einer interaktiven Vernetzungsrunde benannten die Kommunen einige Themen, die sie aktuell im Rahmen der Internationalen Jugendarbeit beschäftigen: Probleme stellen nach wie vor finanzielle und personelle Ressourcen dar, sowie der Auf- bzw. Ausbau von Netzwerken vor Ort und sich wandelnde bürokratische Hürden.

Neue Förderangebote und multilaterale Projekte in der Praxis

Als ein neues Format stellte Claudius Siebel, Programmreferent bei Jugend für Europa, Nationale Agentur Erasmus+ Jugend in Aktion die Eckpunkte des Europäischen Solidaritätskorps vor. An diesem finanziell gut ausgestatteten Programm können 18- bis 30-jährige für einen Zeitraum von 2 - 12 Monaten an Freiwilligen- oder Beschäftigungsprojekten im In- oder Ausland teilnehmen. Siebel rief die Anwesenden dazu auf, sich schon in den kommenden Förderphasen mit Antragsfristen im Februar und April 2019 mit Projektideen zu bewerben.

Ein eindrucksvolles Beispiel aus der Praxis lieferte Karl-Heinz Stark, Kommunales Bildungswerk des Jugendamts Kassel. In dem dreijährigen vom EU-Programm ERASMUS+ Jugend geförderten Projekt Active Youth Participation kommen Jugendliche aus Deutschland, Griechenland, Italien und Norwegen zusammen, um unterschiedliche Möglichkeiten von Jugendbeteiligung kennen zu lernen.

Intensiver Austausch in zwei Fachworkshops

Am Nachmittag fanden zwei Workshops statt. Dr. Werner Müller, transfer e. V., stellte die Ergebnisse der Zugangsstudie vor, die die Zugänge und Barrieren zum internationalen Jugendaustausch analysiert hat. Müller hob als Hauptergebnisse hervor, dass das Interesse der befragten Jugendlichen an internationalem Austausch zum einen größer sei als gedacht. Zum anderen gebe es hierbei keine grundsätzliche Benachteiligung bestimmter Zielgruppen. Als Handlungsempfehlungen, die der die Studie begleitende Expertenbeirat aus den Ergebnissen folgert, benannte Müller, dass lokale Strukturen mit Unterstützung von Landes- und Bundesfachstellen gestärkt werden müssen, beispielsweise durch Fachstellen und Netzwerke vor Ort oder der Implementierung in die lokale Planung von Jugendarbeit als „Regelaufgabe“.
Außerdem soll Internationale Jugendarbeit verstärkt mit schulischen Strukturen kooperieren und diese durch internationale Programme als Teil der Lehrerausbildung gestärkt werden.

Philipp Stemmer-Zorn, Projektmanager der Initiative Austausch macht Schule, beleuchtete in seinem Workshop die kommunale Ebene als Schnittstelle zwischen Internationaler Jugendarbeit und Schule. Er leitet seine These, dass Internationale Jugendarbeit verstärkt mit Schule kooperieren solle, um mehr Jugendliche aus verschiedenen sozialen Hintergründen zu erreichen, ebenfalls aus den Ergebnissen der Zugangsstudie ab. Petra Bliedtner, Leiterin  des Amtes für Jugend und Integration der Stadt Kelkheim berichtete von ihrer Zusammenarbeit mit der örtlichen Gesamtschule, die u. a. gemeinsam internationale Jugendbegegnungen und Infoveranstaltungen durchführen und einen kommunalen Pool für „Peers“ aufgebaut haben. Damit wurde ein gelungenes Beispiel für die eingangs gestellte Frage nach Formen für Kooperationen zwischen Schule und Internationaler Jugendarbeit präsentiert. Deutlich wurde, dass dieses Feld Potential bietet, gleichzeitig aber noch ausbaufähig ist. Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Denkanstöße aus Zugangsstudie und die Anregungen durch Austausch macht Schule bis zum nächsten Netzwerktreffen 2019 weiterentwickeln werden.

Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0


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