Christian Herrmann

Wir brauchen internationale heterogene Lerngruppen

Die Initiative „Kommune goes International“ möchte in den Kommunen mit den Mitteln der internationalen Jugendarbeit junge Menschen mit Migrationshintergrund stark machen. Wie wird das aus der Sicht von lokalen Jugendhilfeträgern wahrgenommen? Welchen Mehrwert können Sie aus der Initiative ziehen? Wir haben mit Mahmut Canbay vom Hamburger MUT Theater gesprochen.

Mahmut Canbay und Fatih Haholu
Mahmut Canbay (links) und Fatih Haholu (rechts) nehmen mit dem MUT Theater an der Hamburger Initiative von „Kommune goes International“ teil. Canbay ist Intendant des Theaters, Haholu kümmert sich um Organisation und Öffentlichkeitsarbeit. BildImage: Christian Herrmann

ijab.de: Herr Canbay, Sie vertreten bei der Hamburger Initiative von „Kommune goes International“ ein interkulturelles Theater. Können Sie kurz vorstellen, was Sie machen, vor allem was Sie mit Jugendlichen machen?

Mahmut Canbay: Unter der Leitung von Theaterpädagog/-innen können Kinder und Jugendliche im MUT Theater spielen, Stücke über interkulturelle Themen schreiben, die Geheimnisse der Bühnenwelt entdecken und eine Menge Spaß haben. MUT Theater ist ein tanz- und theaterpädagogischer Ort, in dem interkulturelle Bildung praktiziert wird. Als gemeinnütziger Verein und Jugendhilfeträger arbeitet das MUT Theater eng mit Sozialeinrichungen und Schulen zusammen. In Theater-, Tanz- und Musikprojekten reflektieren sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Kulturen darüber, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sie haben. Auf diese Weise wird bei ihnen das Interesse für Geschichte und Kultur geweckt. Jugendliche werden angeregt, Fragen zu stellen, nach gemeinsamen Interessen zu schauen. Ihr Blick für ihre berufliche Entwicklung wird so geweitet und die interkulturelle Verständigung durch persönliche Erfahrung entwickelt.

ijab.de: Wie sind Sie auf „Kommune goes International“ aufmerksam geworden? Was hat Sie neugierig gemacht und wann und warum haben Sie gesagt „ja, da wollen wir mitmachen“?

Mahmut Canbay: Ich bin über die Hamburger Fachbehörde auf die Initiative "Kommune goes International" aufmerksam geworden. Spannend finde ich, dass sich die Initiative auf die internationale Jugendarbeit vor Ort konzentriert. Mich interessiert dabei vor allem, was wir, das MUT Theater, von den an der Initiative beteiligten Organisationen erfahren können, insbesondere im Bereich des internationalen Jugendaustauschs. Unser Team interessiert sich für Anregungen zu alternativen Fördermöglichkeiten, Erweiterung unseres Netzwerkes und lässt sich gerne von neuen Ideen, die im Rahmen von Fachtagungen der Initiative generiert werden, inspirieren. Diese bilden einen Mehrwert für unsere interkulturelle Theaterarbeit.

ijab.de: „Kommune goes International“ möchte mit den Mitteln der internationalen Jugendarbeit junge Menschen mit Migrationshintergrund stark machen. Haben Sie schon mit Jugendlichen in Ihren Einrichtungen darüber gesprochen? Was würden Ihre Jugendlichen gerne machen und was können Sie selbst sich an internationalen Projekten vorstellen?

Mahmut Canbay: Wir informieren unsere Jugendlichen bei jedem Treffen, wenn wir Neuigkeiten haben. Wir entwickeln die Gestaltung des internationalen Jugendaustausches mit den Jugendlichen zusammen. Die Jugendlichen haben die Gelegenheit, zu allen Themen, die sie beschäftigten, Fragen zu stellen, Anregungen zu geben oder Kritik zu äußern.
Unsere Jugendlichen würden gerne an einem internationalen Jugendaustausch teilnehmen, bei dem durch Theater- und Tanzworkshops und die Proben das Ausgangsmaterial für ein Theater oder-Tanzstück - ganz aus der Perspektive der Jugendlichen selbst - entwickelt wird. Sie würden gerne selbst Regie führen und ihre Ideen, Sprache und Musikvorstellungen mit einbringen. Sie merken, dass eine Jugendbegegnung im Rahmen von Tanz und Theaterprojekten der Vertiefung der Kenntnisse über das Leben und die Kultur des/der Anderen dient. Was sie wichtig finden ist, dass eine Begegnung immer mit einer Präsentation abgeschlossen wird. Dadurch möchten sie mehr Aufmerksamkeit auf ihre Träume, Erwartungen und Zukunftspläne lenken. Gerade arbeiten unsere Jugendlichen an einem Jugendaustausch mit der Türkei im Sommer.

ijab.de: „Kommune goes International“ soll in den Kommunen keine Eintagsfliege sein, sondern möglichst nachhaltig etwas für Jugendliche und für die interkulturelle Öffnung der Gesellschaft leisten. Was ist aus Ihrer Sicht besonders wichtig, damit das klappt?

Mahmut Canbay: Man muss mit den gemachten Erfahrungen im politischen Rahmen daran appellieren, dass die Ermöglichung solche Jugendaustausche wichtig ist, um so unter anderem internationale heterogene Lerngruppen zu schaffen. Daher ist es wichtig, dass die Institutionen, die internationalen Jugendaustausch organisieren, ihre Projekte und deren Ergebnisse sehr transparent umsetzen und die Öffentlichkeitsarbeit im Projektverlauf ein wichtiger Bestandteil sein muss.

ijab.de: Beim Schreiben von Texten für JiVE und „Kommune goes International“ merken wir jedes Mal, welche Schwierigkeiten wir mit den Begriffen haben, die Einwanderung und alles, was damit zusammenhängt, beschreiben. „Jugendliche mit Migrationshintergrund“ klingt fürchterlich kompliziert und „Integration“ ist spätestens seit der Sarrazin-Debatte zu einem Kampfbegriff verkommen, der von Migrantinnen und Migranten eine einseitige Anpassung verlangt. Welche Worte sollten wir stattdessen benutzen, besonders dann, wenn wir junge Menschen ansprechen wollen?

Mahmut Canbay: Die Frage ist, wie kann man die Begriffe Inklusion und Jugendliche verbinden? Mir fällt noch ein Wort ein: vielleicht „Postmigranten“?

Informationen zum MUT Theater finden Sie hier: http://www.muttheater.de



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