Christian Herrmann

Beteiligungssoftware OPIN: 10 Pilotprojekte stehen kurz vor dem Start

11 Partner aus 8 europäischen Ländern arbeiten im EU-geförderten Projekt EUth zusammen. Gemeinsam haben sie die Partizipationssoftware OPIN entwickelt, die auf der Website opin.me als Online-Anwendung zur Verfügung steht. 10 Projekte wurden von einer Jury ausgewählt. Sie erhalten Förderung und Unterstützung, um erste Beteiligungsprojekte mit OPIN umzusetzen. In Bonn kamen sie zu einem Training zusammen.

Eine Frau spricht in ein Megaphon.
Menschen eine Stimme zu geben, das wird bei EUth wörtlich genommen BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0

Es ist eine bunt gemischte Truppe aus Georgien, Slowenien, Deutschland, Zypern, Italien, Malta und Mazedonien, die vom 20. bis 22. März in Bonn zusammengekommen ist. Wie sind sie nach dem Open Call zur Projektbewerbung ausgewählt worden? „Wir hatten eine Kriterienliste, auf der die zu erwartende Wirksamkeit eines Projektvorschlags der wichtigste Punkt war“, erzählt Jessica Walker vom europäischen Jugendinformationsnetzwerk ERYICA. „Deshalb haben wir so viele lokal angesiedelte Projekte oder nationale Projekte aus kleineren Ländern, die sind dicht an den Jugendlichen und den politischen Entscheidungsträgern dran“, ergänzt Evaldas Rupkus von IJAB, der ebenfalls in der Jury saß und das Bonner Training leitet. Gemeinsam mit Nadine Karbach von der Softwareschmiede Liquid Democracy und Eva Shepherd von der TU Berlin möchte er die Projektorganisator(inn)en in den Stand versetzen, die OPIN-Software bedienen zu können. Dabei geht es aber nicht nur um technische Kenntnisse, sondern auch darum zu verstehen, welche Bedingungen nötig sind, damit ein Projekt erfolgreich ist.

Die etwa 15 Teilnehmer/-innen sitzen im Halbkreis, alle haben ein Laptop auf dem Schoß. Im Training wird nicht über digitale Medien geredet, sie werden angewendet. Mit schnellen Methodenwechseln lässt Rupkus dabei keine Langeweile aufkommen. Über das Lernportal Badgecraft.eu fordern die Teilnehmer/-innen „Badges“ an, digitale Lernnachweise, die für jede gelöste Aufgabe des Trainings am Ende zu einem Zertifikat zusammengefasst werden. Auf dem Programm stehen Basics von E-Partizipation, ein Rollenspiel zu Pro und Kontra digitaler Beteiligung, Projektplanung und schließlich der Umgang mit der Software selbst.

Projektmanagement ist Schlüssel zum Erfolg

Eva Shepherd hat ein Quiz zu den häufigsten falschen Erwartungen an E-Partizipation vorbereitet. Sie warnt vor allem vor dem Glauben an automatischen Erfolg. „Viele meinen, durch Online-Beteiligung die Anzahl der Teilnehmenden erhöhen zu können“, berichtet sie. „Das ist falsch, nur weil etwas online ist, erreicht es nicht mehr Menschen.“ Was ist also nötig? Es fängt mit dem Gegenstand der Beteiligung an. Ein Thema sollte möglichst viele junge Menschen ansprechen. „Dann muss man sich fragen, wer sind die Stakeholder bei diesem Thema, wer muss einbezogen werden?“, fährt Shepherd fort. Die Unterstützung von Entscheidungsträgern muss eingeholt werden – schließlich soll das Projekt Wirkung zeigen. Ein Zeitplan muss erstellt, das Projekt beworben, eine Aktivierungsstrategie muss entwickelt werden. Schließlich müssen die Ergebnisse dokumentiert, an die Entscheidungsträger übermittelt und deren Umgang mit den Ergebnissen an die Jugendlichen zurückgespiegelt werden. Ein solides Projektmanagement ist also gefragt.

Was ist aus Sicht der Trainingsteilnehmer/-innen wichtig? Aufmerksamkeit für das eigene Projekt zu erzeugen und am Ende klare Ergebnisse präsentieren zu können, werden genannt. Die Einbettung in einen tatsächlichen Entscheidungsprozess und die Analyse des Prozesses im Hinblick auf künftige Beteiligungsprojekte, finden die Teilnehmer/-innen ebenfalls wichtig. Bei der Diskussion zeigt sich, wie hilfreich es ist, dass EUth an das frühere Projekt Youthpart anschließt. Youthpart hatte Guidelines in Englisch und Deutsch für gelingende E-Partizipation entwickelt. Aus dieser Erfahrung kann nun geschöpft werden.

Softwareentwicklung: Die nächsten Monate werden entscheidend

Wie wird es in den nächsten Monaten weitergehen? Gegenwärtig liegt OPIN in der Version 2.1 vor und wird bis zum Ende des Jahres weiterentwickelt. Bereits jetzt gibt es unterschiedliche Sprachversionen und umfassende Usermanuals. Verschiedene Templates liefern Pakete für unterschiedliche Anforderungen bei Partizipationsprozessen. Alle Module können in einem „Sandkasten“ erprobt werden. In den kommenden Wochen und Monaten werden die 10 Pilotprojekte umgesetzt werden – dafür schafft das Bonner Training wichtige Voraussetzungen. Die Ergebnisse der Projekte liefern dann die Anhaltspunkte, für letzte Anpassungen an der Software. „Die Software ist dann hoffentlich so gut, dass alle die mit ihr gearbeitet haben, sie weiterempfehlen und Botschafter für OPIN werden“, wünscht sich Evaldas Rupkus von IJAB. Mit ihm wünschen sich das sicher auch die Teilnehmer/-innen des Trainings und alle anderen, die sich für mehr Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen einsetzen.

Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0


OPIN Training, Bonn 2017

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