Daniel Poli

Youth as Actors of Change - Forschung und Innovation als Beitrag zur Gestaltung und Weiterentwicklung der EU-Jugendstrategie

Am 10. und 11. Juni fand in Brüssel das „policy kick off meeting" der im neuen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizon 2020“ in der Ausschreibungslinie YOUNG 2014 geförderten Projekte statt. Vertreter(inne)n der Europäischen Kommission aus unterschiedlichen Politikfeldern wurden die acht Vorhaben vorgestellt und die unterschiedlichen Ansätze sowie geplanten Ergebnisse diskutiert. IJAB ist Partner in einem der neuen Projekte zum Thema E-Partizipation Jugendlicher.

Ziel des Projekts “EUth – Tools and Tips for Mobile and Digital Youth Participation in and across Europe”, in dem IJAB Partner ist, ist die Entwicklung von technischen und praktischen Werkzeugen sowie Hilfestellungen, die die Europäische Jugendpartizipation vereinfachen und so zu deren Verbreitung beitragen.

Zu Beginn der Veranstaltung wurden die Verbindungslinien zwischen dem Forschungsprogramm YOUNG-2014 und den Zielen und Aktionsbereichen der EU-Jugendstrategie gezogen. Fabienne Metayer, Vertreterin der Generaldirektion für Bildung und Kultur (DG EAC) der Europäischen Kommission, betonte die Wichtigkeit evidenzbasierter Politikgestaltung und begrüßte den Austausch, um neue wissenschaftliche Impulse und Innovation für die Gestaltung Europäischer Jugendpolitik nutzbar zu machen. Vor allem fehle es an aktuellen Daten über die Zielgruppe und ihr Verhalten, an wissenschaftlich fundierten Empfehlungen für bildungs- und jugendpolitische Maßnahmen angesichts hoher Jugendarbeitslosigkeit und an innovativen Tools zur Beteiligung junger Menschen.

Die im Rahmen des Kick-off-Meetings vorgestellten neuen Forschungsprojekte behandeln die jugendpolitischen Themen Mobilität, Exklusion, Partizipation und Informations- und Kommunikationstechnologie und stehen damit in direkter Verbindung zu den wesentlichen Zielen der EU-Jugendstrategie, wie der Schaffung von mehr Möglichkeiten und mehr Chancengleichheit für junge Menschen im Bildungswesen und auf dem Arbeitsmarkt sowie der Ermutigung von jungen Menschen, aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. Andrea Halmos von der DG Connect (Directorate General for Communications Networks, Content & Technology) stellte darüber hinaus die  beiden geförderten Projekte zu ePartizipation junger Menschen in Zusammenhang mit dem E-Government Action Plan der Europäischen Union. Hier stehe vor allem das Ziel im Mittelpunkt mit Hilfe des Ansatzes der „Open Participation“, das Empowerment junger Menschen zu unterstützen und gleichzeitig zur Modernisierung von Verwaltung beizutragen.
 
Die folgenden Forschungsvorhaben zu den verschiedenen jugendpolitischen Themenfeldern sind im Jahr 2015 mit einer Laufzeit von drei Jahren gestartet:

YOUNG and Mobility

MOVE
Mapping Mobility – Pathways, Institutions and Structural Effects of Youth Mobility in the EU

Das Projekt geht der Frage nach, was „gute“ Mobilität junger Menschen sowohl im Sinne sozio-ökonomischer als auch für die individuelle Entwicklung junger Menschen bedeuten kann. Dazu soll detailliertes und systematisches Wissen über die Mobilitätsmuster auf individueller und soziostruktureller Ebene aufgebaut werden, um herauszufinden, welche Faktoren die förderlichen und positiven Aspekte von Mobilität behindern. Koordiniert wird das Projekt von der Universität Luxembourg. 

YMOBILITY
Youth Mobility: Maximising Opportunities for Individuals, Labour Markets and Regions in the EU

Ziel des Forschungsvorhabens ist die Identifizierung und Quantifizierung der wichtigsten Arten internationaler Jugendmobilität in der EU und ihrer Merkmale. Dabei sollen vor allem die  regionalen Auswirkungen der Mobilität junger Menschen in Bezug zu den Sende- und Zielregionen analysiert und Migration und Rückwanderung als wichtige Phänomene einbezogen werden. Im Ergebnis soll ein großer Datenpool zu neun untersuchten Ländern entstehen, woraus konkrete Empfehlungen für die Politikgestaltung generiert werden sollen. Koordiniert wird das Vorhaben von der Sapienza Universität in Rom.

YOUNG and Exclusion

EXCEPT
Social Exclusion of Youth in Europe: Cumulative Disadvantage, Coping Strategies, Effective Policies and Transfer

Das Ziel des Projektes ist es, ein Verständnis für die Folgen krisenhafter Entwicklungen auf dem Jugendarbeitsmarkt zu erhalten und dabei die Zusammenhänge nachteiliger Lebensbedingungen und entsprechender Ausgleichsmechanismus zu identifizieren. Es sollen soziale Ausgrenzungen von Jugendlichen in nationalen Kontexten untersucht und daraus konkrete Politikempfehlungen gewonnen werden. Das Projekt wird von der Universität Tallinn koordiniert.

NEGOTIATE
Negotiating Early Job Insecurity and Labour Market Exclusion in Europe

NEGOTIATE ist ein Forschungsprojekt, das die kurz- und langfristigen Folgen der Arbeitsplatzunsicherheit und Arbeitsmarktausgrenzung Jugendlicher untersucht und dabei die Beziehung zwischen subjektiven und objektiven Verhandlungspositionen junger Menschen in den Blick nimmt. Das Projekt soll neues und gendersensibles Wissen über die kurz- und langfristigen Folgen der frühen Arbeitsplatzunsicherheit liefern und gleichzeitig gemeinsam mit Jugendlichen und Europäischen Stakeholdern neue Strategien entwickeln, um die frühe Arbeitsmarktexklusion junger Menschen zu minimieren. Koordiniert wird das Projekt von dem Oslo and Akershus University College of Applied Sciences.

YOUNG and Participation

PARTISPACE
Spaces and Styles of Participation. Formal, Non-formal and Informal Possibilities of Young People’s Participation in European Cities

Die Hauptforschungsfrage ist, wie 15 bis 30-Jährige sich in der Öffentlichkeit in formalen, nicht-formalen und informellen Settings engagieren und wie dieses Engagement durch  lokale Jugendpolitik und Jugendarbeit gefördert oder gehemmt wird. Das Projekt wird Erfahrungswissen schaffen und Konzepte der Partizipation erweitern. Der Hauptfokus liegt in der Verknüpfung individueller Biographien der jungen Menschen und den sozialen Räumen in denen sie sich aus ihrer subjektiven Sicht beteiligen. Untersucht werden urbane Räume in Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Italien, Schweden, der Schweiz, Türkei und des Vereinigten Königreichs. Koordiniert wird das Projekt von der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main.

Catch-EYOU
Constructing AcTive CitizensHip with European Youth: Policies, Practices, Challenges and Solutions

Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die psychologischen, entwicklungsrelevanten, makro-sozialen und kontextuale Faktoren zu identifizieren, die die verschiedenen Formen aktiver Jugendbeteiligung in Europa prägen. Durch ständigen Dialog zwischen Forschern, Jugendlichen und relevanten Interessengruppen soll eine solide und innovative Konzeption  aktiver Bürgerschaft junger Menschen in der EU entstehen, die auf einem evidenzbasierten, multilevel  Modell fußt und die Faktoren und Prozesse der Konstruktion von Active Citizenship erklären will, um Jugendpartizipation zu stärken und konkrete Empfehlungen für die politische Praxis zu generieren. Die Universität Bologna koordiniert das Vorhaben.

Young and ICT

STEP - Societal and Political Engagement of Young People in Environmental Issues

Das Vorhaben zielt auf die Entwicklung und Erprobung einer cloudbasierten E-Partizipation- Plattform nach dem SaaS-Prinzips (Software as a Service), welche die gesellschaftliche und politische Partizipation junger Menschen in Entscheidungsprozessen zu Umweltfragen fördern soll.  Vier Pilotprojekte in Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei wurden ausgewählt. Gemeinsam mit regionalen Behörden ist das Ziel, dass 8.200 junge Nutzer/-innen und 85 Politiker/-innen in insgesamt 65 Entscheidungsverfahren einbezogen werden sollen. Das Projekt wird von DRAXIS Environmental Technologie Thessaloniki koordiniert. (http://www.draxis.gr/en/news/67)

EUth - Tools and Tips for Digital and Mobile Youth Participation in and across Europe

Mit den Erfahrungen aus drei Pilotprojekten (europaweit innerhalb der Studierendenorganisation AEGEE, der Stadt Paris und der französischen Föderation der Gemeindezentren sowie einem Crossborder-Projekt mit Italien und Slowenien) und dem Know-how von 11 Partnern aus 8 europäischen Ländern, soll eine digitale Jugendbeteiligungsplattform entwickelt und getestet werden. Sie steht offen sowohl für Jugendorganisationen als auch Verwaltungen, um partizipative Prozesse mit Jugendlichen durchzuführen. Den Anschub für eine aktive Nutzung der Plattform durch Verwaltungen und Jugendorganisationen liefert ein Open Call gegen Projektende, bei dem 10 Projekte in unterschiedlichen europäischen Ländern mit 10.000 € unterstützt werden, um die Implementierung von Partizipationsstrategien zu realisieren. Koordiniert wird das Projekt vom Berliner nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung.  
(Siehe auch: www.euth.net)

Neben den neuen Projekten wurden auch bereits laufende oder abgeschlossene Forschungsvorhaben als Best Practice vorgestellt und es fand ein reger Austausch statt. Die Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission betonten zum Ende noch einmal ihr großes Interesse nicht erst an den Ergebnissen der Projekte, sondern auch den laufenden Forschungs- und Entwicklungsprozessen. Für das Projekt EUth konnten konkrete Verabredungen mit dem DG CONNECT und DG EAC getroffen werden, erste Ergebnisse im Rahmen eines Arbeitstreffens vorzustellen und vertieft zu diskutieren.

Auch für nationale Prozesse, wie etwa die Umsetzung der EU-Jugendstrategie in Deutschland, können die neuen Forschungsvorhaben wichtige Impulse zur jugendpolitischen Gestaltung liefern.
Eine zusammenfassende Publikation des Generaldirektorats Forschung und Innovation über die laufenden Projekte erscheint in den nächsten Wochen unter dem Titel „Their Future is Our Future. Youth as Actors of Change“.



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