JUGEND für Europa

In jeder Beziehung Grenzen überschreiten: Dokumentation erschienen

Die Dokumentation zum Modellprojekt „Grenzüberschreitende Lernmobilität ermöglichen“, das JUGEND für Europa und IJAB im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2012 bis 2014 durchführte, ist erschienen. Die Dokumentation gibt Handlungsempfehlungen, wie mehr Lernmobilität für mehr Jugendliche erreicht werden kann.

Wir alle kennen Jugendliche, die nie oder kaum eine Chance haben, „grenzüberschreitende“ Erfahrungen zu machen. Aufgrund finanzieller, sozialer, organisatorischer oder anderer Hindernisse finden oft genau denjenigen, die besonders von Erlebnissen im Ausland oder mit Jugendlichen aus dem Ausland in nicht formalen Kontexten für ihre Entwicklung profitieren würden, keinen Zugang zu entsprechenden Maßnahmen. Vom hehren jugendpolitischen Ziel, allen Jugendlichen mindestens einmal im Leben internationale Lernerfahrungen zu ermöglichen, sind wir weit entfernt.

Das Modellprojekt „Grenzüberschreitende Lernmobilität ermöglichen“, das JUGEND für Europa und IJAB im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2012 bis 2014 durchführte, sollte die Bedingungen und Lösungsmöglichkeiten dafür ausloten, für mehr junge Menschen Gelegenheiten zu schaffen, „Lernerfahrungen durch grenzüberschreitende Mobilität“ zu machen.

Das Modellprojekt umfasste drei Bausteine:

  1. Der Baustein 1 richtete sich an Bundesländer, die Lernerfahrungen durch grenzüberschreitende Mobilität für Jugendliche jugendpolitisch verankern wollen oder dies bereits tun.
  2. Mit Baustein 2 wurde ein besonderes Augenmerk auf die Qualifizierung von hauptberuflichen, nebenberuflichen oder ehrenamtlichen Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe gelegt.
  3. Und mit Baustein 3, der Interministeriellen Arbeitsgruppe „Grenzüberschreitende Lernmobilität“, sollten Mobilitätshindernisse identifiziert und bearbeitet werden.

Das Modellprojekt war zugleich die sechste Teilinitiative der jugendpolitischen Initiative „JIVE. Jugendarbeit International - Vielfalt erleben" und eingebettet in die von Bund und Ländern gemeinsam getragene Umsetzung der EU-Jugendstrategie.

Baustein 1: mehr Zusammenarbeit

In fünf Bundesländern – Berlin und Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Baden-Württemberg –  wurden so genannte Entwicklungsinitiativen begründet, die die Möglichkeiten internationaler Jugendarbeit für alle ausloteten. Unter weitreichender Beteiligung öffentlicher und freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe, der Träger formaler Bildung und der entsprechenden Fachressorts der Landesregierungen wurden länderspezifische Fragestellungen im Rahmen großer Zukunftskonferenzen diskutiert. Heraus kamen jeweilige Handlungsempfehlungen, die nun, über die Projektzeit hinaus, jugendpolitisch umgesetzt werden sollen. So richteten beispielsweise Berlin und Brandenburg das Informationsportal „euroBBa" ein und in Sachsen-Anhalt soll ein Programm zur Kooperation von Landesressorts in Fragen der Lernmobilität entwickelt und eine ständige Arbeitsgemeinschaft „Kooperation Schule und internationale Jugendarbeit“ eingerichtet werden. In anderen Bundesländern wurden Mandatsträger(-innen) im Rahmen von parlamentarischen Abenden oder Fachleute der Kinder- und Jugendhilfe bei regionalen Konferenzen in die jugend-, bildungs- und europapolitischen Diskurse eingebunden. Die Abschlussdokumentation führt die wichtigsten Punkte für eine erfolgreiche Landesentwicklungsinitiative auf: So ist es unter anderem wichtig, Mobilität jugend- und bildungspolitisch zum Querschnittsthema zu machen, zugleich aber Zuständigkeiten für Steuerung und für die Partizipation junger Menschen und relevanter Träger einzurichten.

Baustein 2: bessere Qualifizierungsangebote

Um Strategien zu entwickeln, wie die Mobilitätsfähigkeiten der Fachkräfte durch Qualifizierungen unterstützt werden können, wurden mit zwei Analysen erstmals Daten zu Qualifizierungs- und Unterstützungsangeboten im Bereich der Fachkräftemobilität erfasst und bewertet. Diese Datenbasis wurde von Expert(-inn)en der Kinder- und Jugendhilfe, der Internationalen Jugendarbeit und der Fachkräftequalifizierung im Rahmen von zwei Werkstattgesprächen diskutiert. Diese und weitere Maßnahmen bildeten die Grundlage für ein Eckpunkte-Papier zu einer „abgestimmten Strategie zur Fachkräftequalifizierung“. Das Papier, nachzulesen in der Dokumentation, empfiehlt unter anderem eine Verankerung des Themas sowohl auf der Ebene nationaler und europäischer Jugendpolitik als auch auf örtlicher Ebene, z.B. durch die Kinder- und Jugendhilfeausschüsse.

Baustein 3: weniger Mobilitätshindernisse

Verbunden mit der Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik des Bundes war die ursprüngliche Idee, dass die Interministerielle Arbeitsgruppe ressortübergreifende Verständigung über Rahmenbedingungen des Lernens junger Menschen durch grenzüberschreitende Mobilität herstellen sollte. Unter anderem wurden die für junge Menschen bestehenden Mobilitätshindernisse in den Bereichen der nicht formalen wie der formalen Bildung erstmals in einer „Textsynopse Mobilitätshindernisse“ systematisch erfasst. Die Synopse bündelt die Mobilitätshindernisse zu fünf Schwerpunktbereichen, in denen strukturelle und pädagogisch-praktische Mobilitätsförderung junger Menschen anzusetzen hat.

Mit fortschreitender Umsetzung des Modellprojekts entschloss sich das BMFSFJ, die gewonnen Erkenntnisse aus diesem Baustein u.a. als Grundlage  einer „Mobilitätsstrategie des Lernens junger Menschen durch grenzüberschreitende Mobilität“ zu nutzen. In diesem Zusammenhang sollen auch durch jugend-, bildungs- und sozialpolitische Maßnahmen die für junge Menschen identifizierten strukturellen und gesellschaftlichen Mobilitätshindernisse bearbeitet werden, die nicht durch die pädagogische Praxis aufgefangen werden können.

Fazit: Grenzüberschreitungen erwünscht

Das Modellprojekt, das in einer Reihe von Initiativen für mehr Internationale Jugendarbeit für alle Jugendlichen steht,  plädiert deutlich für „Grenzüberschreitungen“, d.h. eine engere Kooperation von nicht-formaler und formaler Bildung und auch der Felder der Kinder- und Jugendhilfe, die z.T. keinerlei Berührung und Erfahrung mit grenzüberschreitenden Mobilitätsangeboten für junge Menschen haben. „Nur gemeinsam, Sektor übergreifend“, das ist eine zentrale Erkenntnis, „werden sich letztlich systematische Erfolge der Förderung des Lernens junger Menschen durch grenzüberschreitende Mobilität erzielen lassen“. Die durch das Modellprojekt erstmals entstandenen Kooperationsstrukturen sollen weiter genutzt und möglichst institutionell gesichert werden. Mit Erasmus+ JUGEND IN AKTION können dafür erstmals strategische Partnerschaften gefördert werden. Davon sollte mehr Gebrauch gemacht werden.

Die Dokumentation kann kostenlos bei JUGEND für Europa heruntergeladen werden:

Modellprojekt – Grenzüberschreitende Lernmobilität ermöglichen
2012 - 2014. Dokumentation. Bonn, März 2015. Hrsg.: JUGEND für Europa, IJAB, BMFSFJ.
Dieses PDF-Dokument mit dem Dateinamen "150330_JfE_Modellbroschuere_WEB_ohne.pdf" ist 6,65 MB groß.

[Quelle: www.jugendpolitikineuropa.de]



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