Maria Schwille

Internationale Jugendarbeit als Gewinn für alle Beteiligten sichtbar machen

Das Projekt INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN setzt auf die verstärkte Verankerung der Internationalen Jugendarbeit in der Jugendhilfeplanung. Welchen Mehrwert hat eine Teilnahme am Projekt für die beteiligten Kommunen? Wie wird INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN vor Ort umgesetzt? Wir haben mit Petra Schmid vom Jugendamt Essen gesprochen.

Was motiviert Sie für Ihre Teilnahme an INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN?

Petra Schmid: Mit der Verbindung von Internationaler Jugendarbeit und Jugendhilfeplanung im Bereich Jugendförderung  werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Aufwertung und das Sichtbarmachen zweier Arbeitsfelder, die durch die politischen Schwerpunktsetzungen der vergangenen Jahre auf den Bereich der Frühen Hilfen u.a. und schwindende kommunale Ressourcen Bedeutungsverluste erfahren haben.

Für eine aus eigener Erfahrung überzeugte Verfechterin der Internationalen Jugendarbeit und jetzigen Jugendhilfeplanerin eine gelungene Verbindung. Das gemeinsame Dach bilden die Eigenständige Jugendpolitik 2015 – 2018 als neuer jugendpolitischer  Ansatz der Bundesregierung in Verbindung mit der EU – Jugendstrategie 2010 – 2018. Diese Verbindung von kommunalen, landes- und bundesweiten sowie europäischen Zielsetzungen macht es so herausfordernd und so spannend.

Was bedeutet die Verankerung Internationaler Jugendarbeit in der Jugendhilfeplanung für Essen? Was ist Ihr Hauptanliegen im Rahmen von INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN?

Petra Schmid: Die Zielsetzungen des Projektes INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN für Essen, mit Hilfe des Instrumentes der Jugendhilfeplanung, sind:

  • die strukturelle Verankerung der Internationalen Jugendarbeit bzw. grenzüberschreitenden Mobilität,
  • die Angebote der Internationalen Jugendarbeit insbesondere denjenigen Jugendlichen zugänglich zu machen, die bisher davon noch nicht profitieren.

Im Rahmen der Initiative Kommune goes International ist deutlicher als bisher erkannt worden, das eine Jugendhilfeplanung zu Internationaler Jugendarbeit nicht systematisch genug erfolgt. Es ist nicht ausreichend bekannt, welche Träger mit welchen Zielgruppen, welche Maßnahmen mit den Essener Partnerstädten (Sunderland/England, Grenoble/Frankreich, Nishnij Nowgorod/Russische Föderation, Yafo/Israel, Zabrze/Polen, Tampere/Finnland, Changzhou/China) und anderswo durchführen. Auch die internationalen Kontakte von Schulen sind nicht systematisch erfasst. Grenzüberschreitende Mobilitätserfahrung im Zuge von Ausbildung in Firmen und Maßnahmen der Jugendberufshilfen sollen ebenfalls erfasst werden. Diese und weitere Grundlageninformationen sollen für die Planung und Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit mit geeigneten Instrumenten zusammengeführt werden.

Durch Netzwerkarbeit mit möglichst vielen Partnern sollen darüber auch neue Kooperationen zwischen den einzelnen Trägern entstehen.

Bestandsaufnahme – Bedarfsanalyse – Maßnahmenplanung. Woran arbeiten Sie? Welches ist die größte Herausforderung für Sie?

Petra Schmid: Die Erarbeitung eines integrierten Planungskonzeptes, das die handlungsfeldbezogene und zielgruppenspezifische mit der der sozialräumlichen Planung - hier stehen insbesondere die nördlichen Essener Stadtteile im Fokus - verbindet, ist schon eine Herausforderung.

Wir arbeiten zurzeit an einem Konzept für eine Bestandsaufnahme. Um eine Bestandsaufnahme durchzuführen, benötigen wird die Mitarbeit vieler Akteure, für die ein Nutzen, ein Gebrauchswert überzeugend dargestellt werden muss. Hier gilt es einen aktivierenden Zugang zu finden.

Wie kann es gelingen, die Internationale Jugendarbeit vor Ort sichtbarer zu machen? Was gehört für Sie unbedingt dazu?

Petra Schmid: Die regelmäßige Information der Ratsausschüsse, wie Jugendhilfeausschuss, Schulausschuss, Ausschuss für Soziales, Arbeit und Integration und Integrationsrat ist ein wesentliches Element. Da freuen wir uns über wohlwollende Kenntnisnahme und positive Entscheidung, wünschen uns aber auch lebhafteres Interesse.

Wir sollten das „Sichtbar machen“ noch wörtlicher nehmen und mehr mit Präsentationen arbeiten, die die Wirksamkeit internationaler Arbeit veranschaulichen. Auch Jugendliche, die an Maßnahmen teilgenommen haben, sollten als Botschafter oder Scouts darüber berichten.

Es muss deutlich werden, dass Internationale Jugendarbeit, dass grenzüberschreitende Lernerfahrungen kein Luxusangebot sind, sondern ein Gewinn für alle Beteiligten:

  • Für die Jugendlichen, die bisher nicht an internationalen Maßnahmen partizipieren, bedeutet es Teilhabe, Chancengerechtigkeit und Kompetenzgewinn durch räumliche und soziale Mobilität, Erfahrungszuwachs in  Sprach- und Ausdrucksfähigkeit und Interkulturalität, sowie die Befähigung zur Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und die Hinführung zu einem europäischen Bewusstsein.
  • Für die Fachkräfte geht es um Wissenstransfer, interkulturelle Kompetenz und nationale und internationale Vernetzung.
  • Für die Institutionen bedeutet es interkulturelle Öffnung und auch Vernetzung und Wissenstransfer.
  • Für die Kommune Essen bedeutet es die Unterstützung des Strategieprozesses Essen.2030. Dort werden neben anderen Schwerpunktsetzungen für kommunale Aktivitäten Bürgerbeteiligung, die Stärkung des Zusammenhaltes der Stadtgesellschaft durch Toleranz und Vielfalt, die Zusammenarbeit in vernetzten Bildungslandschaften und die Förderung des ehrenamtlichen Engagements zielgerichtet gebündelt.


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