Dr. Dirk Hänisch

INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN: Impulstagung stößt Dialogprozess an

Vertreterinnen und Vertreter aus sechs Kommunen, der Steuergruppe und des Bundesjugendministeriums (BMFSFJ) kamen am 27./28. Januar 2015 auf Einladung von IJAB zu einer ersten Impulstagung zusammen. Sie erarbeiteten gemeinsam Ziele, Fragestellungen, Methoden und Bedarfe für die Facharbeitsgruppe und für die geplante Qualifizierungsreihe im kürzlich gestarteten Projekt INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN. Das Projekt hat für Deutschland Pilotcharakter.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Impulstagung auf einem Blick: Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe aus Berlin Steglitz-Zehlendorf, Bremen, Essen, Hamm, Kreis Steinfurt und Wiesbaden, Vertreter/-innen von IJAB, dem Bundesjugendministerium und IN/ BildImage: IJAB/Hänisch   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0

Das bundesweite Projekt INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN (IJIP) wird zwei Jahre lang als Innovationsfondsprojekt der Internationalen Jugendarbeit aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes gefördert. Es ist Teil der jugendpolitischen Initiative „JiVE. Jugendarbeit international – Vielfalt erleben“. IJIP knüpft an die JiVE-Teilinitiative Kommune goes International an. Ziel ist es, mit den ausgewählten Kommunen das Angebot Internationaler Jugendarbeit mit Hilfe des Instruments der Jugendhilfeplanung bedarfsgerecht zu gestalten und weiter zu entwickeln und somit einen Beitrag zur strukturellen Verankerung der internationalen Jugendarbeit in der Jugendhilfeplanung zu leisten. Vertreten waren Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe aus Berlin Steglitz-Zehlendorf, Bremen, Essen, Hamm, Kreis Steinfurt und Wiesbaden. Koordiniert wird das zweijährige Projekt von IJAB, die Fachberatung hat das  Institut für Sozialplanung und Organisationsentwicklung in Essen (IN/S/O) übernommen.

Einordnung des Innovationsfondsprojektes IJIP

Nach der Begrüßung der Teilnehmenden durch Christina Gerlach, Leiterin des Geschäftsbereichs Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit bei IJAB erläuterte Albert Klein-Reinhardt, Referent für europäische und internationale Jugendpolitik im BMFSFJ, die Grundsätze und Ziele des Innovationsfonds, der  2014-2016 in die zweite Förderphase gegangen ist. Die Innovationsfondsprojekte leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung und Umsetzung der Eigenständigen Jugendpolitik. Durch einen dialogischen Prozess aus der Praxis für die Praxis werden Anregungen für die Ausgestaltung der Jugendpolitik vor Ort gewonnen. Entscheidender Grundsatz für die Förderung aller Innovationsfondsprojekte ist daher eine adäquate partizipative Beteiligung Jugendlicher, denn, so unterstrich Klein-Reinhardt, „Jugendpolitik gelingt nicht ohne Beteiligung von Jugendlichen“. Er empfahl daher, diesen Aspekt bei der Erarbeitung gemeinsamer Ziele, Fragestellungen, Methoden und Bedarfe entsprechend zu berücksichtigen. Für die Jugendhilfeplanung stehen aus seiner Sicht bei der Formulierung gemeinsamer Ziele für die Bedarfsermittlung folgende konkrete Fragen im Vordergrund:

  • Welche Zielvorgaben der Jugendhilfe stehen als Maßstab zur Beurteilung eines Bedarfs bzw. einer Bedarfsdeckung zur Verfügung?
  • Welche anderen gesellschaftlichen Akteure formulieren einen Bedarf für Internationale Jugendarbeit bzw. grenzüberschreitende Lernerfahrungsbildung?
  • Sollen wirklich alle jungen Menschen internationale Mobilitätserfahrungen machen?
  • Wie lässt sich die nach §80 SGB VIII geforderte Einbeziehung der Bedürfnisse und Wünsche junger Menschen für eine Jugendhilfeplanung mit Internationaler Jugendarbeit realisieren?

Internationale Jugendarbeit als nichtformales Bildungsangebot

Klein-Reinhardt betonte weiter, dass in der aktuellen Förderphase der Schwerpunkt der Innovationsfondsprojekte im Programmbereich Internationale Jugendarbeit auf der Anerkennung der Internationalen Jugendarbeit als nichtformales Bildungsangebot liegt. Internationale Jugendarbeit ist in besonderer Weise geeignet, Kompetenzen bei jungen Menschen zu stärken. Sie bietet in unterschiedlichen Formaten große Chancen für die Entwicklung ihrer persönlichen und beruflichen Biografie und fördert zugleich den Umgang mit kultureller Vielfalt. Diese Erkenntnisse sind noch stärker in die nationalen und regionalen Bildungsdebatten einzubringen. Die Potenziale der internationalen und europäischen Jugendarbeit als Räume nichtformalen Bildungserwerbs werden noch zu wenig wahrgenommen. Die Kommunen sollten in ihrer Kinder- und Jugendhilfeplanung daher den Nutzen nichtformaler Bildung stärker herausstellen und sichtbarer machen, dafür neue Kooperationspartner gewinnen und solche Angebote als Beiträge zum Ausgleich von Bildungsbenachteiligungen herausstellen. Diese Gesichtspunkte sind bei der Kinder- und Jugendhilfeplanung beispielsweise für die Maßnahmenplanung relevant: was macht Schule, was machen Träger der Jugendhilfe, was machen andere? Kohärente Planung sollte sektorenübergreifend erfolgen, sie sollte den Anspruch haben, jugend- wie bildungspolitische Wirkungen zu erzielen.

Zeitplanung und Struktur des Projektes IJIP

Anneke Schlummer (IJAB) skizzierte im Anschluss daran den geplanten Ablauf des zweijährigen Projektes IJIP. Die beteiligten sechs Kommunen werden als Facharbeitsgruppe eine Qualifizierungsreihe mit dem Ziel durchlaufen, spezifische, auf die Kommunen bezogene Modelle zu entwickeln, um internationale Jugendarbeit in die Jugendhilfeplanung zu integrieren. Inhaltliche Schwerpunkte sind insbesondere Methoden der Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse im Rahmen der Jugendhilfeplanung. Am Ende des Projektes in 2016 werden die Erfahrungen in den Kommunen ausgewertet und gemeinsame, übertragbare Modelle für die Bestandserhebung und Bedarfsanalyse der Internationalen Jugendarbeit im Rahmen der Jugendhilfeplanung entwickelt. Diese sollen dann allen interessierten Kommunen zugänglich gemacht werden.

Kennenlernen der Arbeitsfelder Jugendhilfeplanung und Internationale Jugendarbeit

Mit der Absicht, einen gemeinsamen Wissensstand herzustellen, wurden in zwei Impulsreferaten und -präsentationen die beiden Arbeitsbereiche Kommunale Jugendhilfeplanung und Internationale Jugendarbeit vorgestellt. Thomas Fink, Fachberater für Jugendhilfeplanung im Landschaftsverband Westfalen-Lippe, referierte über die fachlichen und gesetzlichen Grundlagen der Jugendhilfeplanung in der kommunalen Praxis. Anneke Schlummer gab eine Feldbeschreibung der Internationalen Jugendarbeit. Definition, Formate, Zielgruppen, Methoden, Finanzierung und Trägerstruktur der Internationalen Jugendarbeit standen im Mittelpunkt ihrer Präsentation. Aufbauend darauf wurden die gemeinsamen Vorerfahrungen und die Erwartungen der beiden Bereiche an eine Qualifizierungsreihe gesammelt.

Start der konkreten Projektarbeit

Am zweiten Tag wurden zunächst die bisherigen Überlegungen zur Qualifizierungsreihe vorgestellt und diskutiert. Sabine Wißdorf (IN/S/O) gab praktische Impulse zum Thema „Projektmanagement“. In Arbeitsgruppen wurden von den Teilnehmenden erste Zeitpläne für die individuelle Umsetzungsarbeit im Rahmen von INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN in den jeweiligen Kommunen erarbeitet. So entstanden erste Skizzen, wie die beteiligten Kommunen ihr Projekt angehen und planen, welche Schritte sie dazu definieren und wie sie diese in den nächsten zwei Jahren zeitlich aufteilen und bearbeiten. Diese Projektpläne wurden anschließend im Plenum vorgestellt und bilden die Grundlage für den ersten Workshop der Qualifizierungsreihe. Dieser findet am 18. März 2015 in Bremen statt.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0


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