Cathrin Piesche

Eine gerechtere Gesellschaft: Internationale Jugendarbeit leistet einen Beitrag

Populismus ist das Schlagwort dieser Tage. Viele Menschen fühlen sich ungerecht behandelt, populistische Parteien verzeichnen Zulauf. Aber wie sieht eine gerechte Gesellschaft überhaupt aus? Kann die Internationale Jugendarbeit hierzu einen Beitrag leisten? Dieser Frage stellten sich die Teilnehmer/-innen des JiVE-Fachkolloquiums 2016.

BildImage: Meike Böschemeyer | VIGILUX Pressefoto

Eindeutig ja! so der Konsens der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des JiVE-Fachkolloquiums 2016. Auch Albert Klein-Reinhardt, Referent für europäische und internationale Jugendpolitik im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unterstrich dies in seiner Begrüßung: „Interkulturelles Lernen und der Umgang mit Vielfalt stehen im Mittelpunkt Internationaler Jugendarbeit, damit leistet sie einen großen Beitrag zu einer gerechteren Gesellschaft.“ Allerdings sollte dieser Beitrag nicht nur den Akteuren der Internationalen Jugendarbeit selbst klar sein. Aus diesem Grund erarbeiteten die Fachkräfte im Laufe des ersten Tages des JiVE-Fachkolloquiums Ideen für die Umsetzung von fünf zentralen Aufgaben, mit denen der Beitrag Internationaler Jugendarbeit zu einer gerechteren Gesellschaft einem größeren Teil der Gesellschaft zugutekommen kann:

(Gesellschaftlichen) Mehrwert Internationaler Jugendarbeit sichtbarer machen:

Hilfreich wäre hier, so die anwesenden Fachkräfte, die teilnehmenden Jugendlichen stärker in die Überzeugungsarbeit einzubinden und ihnen nach außen mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Das Ausprobieren neuer innovativer Formate (Beispiel TED-Talks) kann mehr Aufmerksamkeit für internationale Begegnugen und ihre Wirkungen generieren.  Junge Alumni, die selbst ihre Geschichte erzählen, vermitteln Emotionalität und entfachen Begeisterung. Anders als dies Fachkräfte könnten. Allgemein, so die versammelten Expertinnen und Experten,  sollten bei allen Akteuren die Scheuklappen abgelegt und neue Partnerschaften auf Augenhöhe gesucht werden – ob mit Schule oder auch der (lokalen) Wirtschaft. Persönlicher Kontakt – Peer to Peer, gerade auch auf organisatorischer Ebene – sei das A und O,  um vom Mehrwert Internationaler Jugendarbeit zu überzeugen. So könne man sich ja zum Beispiel auch in Veranstaltungen der lokalen Wirtschaft einklinken, um neue Partner zu finden oder z. B. Ausbilder lokaler Betriebe von der Teilnahme an Austauschmaßnahmen zu überzeugen;  denn Personen mit eigener Austauscherfahrung müssen vom Mehrwert Internationaler Jugendarbeit nicht mehr überzeugt werden.

Internationale Jugendarbeit soll politischer werden:

Jugendlichen mehr Handlungsräume eröffnen, damit sie selbst zu aktiven „Agents of Change“ werden können, lautete eine Idee zu diesem Punkt. Nichts spricht dagegegen, die jungen Teilnehmenden in politische Auseinandersetzungen miteinzubeziehen – denn internationale Jugendarbeit, so die Diskutanten, ist sowieso immer auch politisch. Gerade zurzeit gelte es, den Beitrag der Internationalen Jugendarbeit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt herauszustellen und zwar mit Mut, Vehemenz und Selbstbewußtsein. Um dies zu tun, könnte man beispielsweise vermehrt den Austauch mit lokalen Abgeordenten suchen und Kooperationen von Trägern der Jugendarbeit mit der politischen Bildung initiieren (auch für Fachkräfteweiterbildungen).

Internationale Jugendarbeit als integraler, selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit mit jungen Menschen:

Schlüsselpersonen identifizieren, begeistern und überzeugen! und zwar auf allen beteiligten Ebenen (Praxis, Politik, Wirtschaft etc.) – klingt einfach? Nicht wirklich, ist aber wohl nötig, um Internationale Jugendarbeit überall in der Arbeit mit Jugendlichen mitzudenken und strukturell zu verankern. Unterstützend wirken könnten bereichsübergreifende Fachkräftemaßnahmen, die auch die lokale Vernetzung z.B. von Jugendhilfe und Schule nach vorne bringen kann. Zur besseren Vernetzung wünschten sich die Mitwirkenden des JiVE-Fachkolloquiums auch regionale Partnerbörsen zum Thema internationaler Austausch und Begegnung, damit auch auch die Informations- und Beratungslage weiterentwickelt werden kann.

Rahmenbedingungen und Strukturen der Internationalen Jugendarbeit verbessern:

Eine Teilnehmerin wünschte sich die Ausgestaltung einer Anerkennungskultur, in der nicht immer auf die Defizite geschaut wird, sondern es allen Jugendlichen ermöglicht wird, ihr indiviuelles Potential auszuschöpfen und zu wachsen.

Selbstverständliche Punkte zur Vereinfachung der Strukturen sind, so der Konsenz der Teilnehmenden, dass die Fördervorgaben möglichst leicht und effektiv gestaltet und finanzielle und personelle Ressourcen gegeben sein müssen. Außerdem gelte es, die  Visavergabe zu erleichtern. Insgesamt sollten sich alle Beteiligeten gemeinsam auf eine Vision der Internationalen Jugendarbeit verständigen, um dann gemeinsam daran zu arbeiten, diese umzusetzen. Als Ansporn könnte hier beispielsweise auch die Ausschreibung eines bundesweiten Preises für innovative internationale Projektarbeit dienen.

Der Beitrag internationaler Jugendarbeit zu einer gerechteren Gesellschaft:

Internationale Jugendarbeit ermöglicht vor allem dort Dialog, wo auf politischer Ebene „nichts mehr geht“. Durch Internationale Begegnung erfahren Jugendliche selbst Europa und die Welt, werden neugierig. Jugendliche können durch diese Erfahrungen „europäisiert“ oder „internationalisiert“ werden, sie fühlen sich als Teil einer europäischen oder internationalen Gesellschaft  und setzen sich – im besten Fall – weiterhin für diese ein. Internationale Jugendbegegnungen bilden immer eine kleine internationale Gesellschaft, in der Jugendliche die Anderen oder „das Andere“ kennenlernen, aktzeptieren und so ihre Vorurteile abbauen können. Sie spüren Veränderung an sich, erlangen Selbstbewußtsein, erfahren Selbstwirksamkeit  – Voraussetzungen auch für ein politisches, gesesllschafltiches Engagement , Voraussetzung für eine gerechtere Gesellschaft in Deutschland und der Welt. Internationale Jugendarbeit ist also ein Puzzlestück, das zu einer positiven Veränderung der Gesellschaft beitragen kann. Eine Begegnung ist eine Chance, die alle Jugendlichen gegeben werden sollte – nicht nur denen, die ohnehin gut darstehen. Aus diesem Grund muss gerade jetzt eine Initiative wie JiVE. Jugendarbeit International – Vielfalt erleben, die sich an alle jungen Menschen richtet, weiterhin gefördert werden.  

Hintergrund JiVE Fachkolloquium  

Seit 2008 setzt sich IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V gemeinsam mit Partnern öffentlicher Einrichtungen, von freien Trägern und Stiftungen im Rahmen der jugendpolitischen Initiative JiVE. Jugendarbeit international – Vielfalt erleben für verbesserte Chancengerechtigkeit ein und arbeiten daran, Angebote der Internationalen Jugendarbeit auch denjenigen Jugendlichen zugänglich zu machen, die bislang nicht davon profitieren konnten.

Das JiVE-Fachkolloquium bietet Fach- und Führungskräften von öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe und der Jugendsozialarbeit, aus der Jugendverbandsarbeit, Migrantenselbstorganisationen, der Behindertenhilfe und von Selbstvertretungsorganisationen, Vertreterinnen und Vertretern von Kommunen und Bundesländern sowie von interessierten Organisationen eine bundesweite Plattform zur Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit. Neben inhaltlichen Impulsen zum Schwerpunktthema dient das JiVE-Fachkolloquium auch der Vernetzung zwischen den einzelnen JiVE-Teilinitiativen sowie mit externen Partnern. Es bietet Möglichkeiten zum Austausch und zur Reflektion über die bisherige und zukünftige Arbeit im Rahmen von JiVE.

JiVE wird von IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V koordiniert und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.



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