Sebastian Jabbusch

Podium auf Kinder- und Jugendhilfetag blickt stolz auf vier Jahre JiVE

Internationaler Jugendaustausch bietet große Chancen für die Persönlichkeitsentwicklung von benachteiligten Jugendlichen. Doch genau diese sind es, die besonders selten an ihm teilhaben. Die jugendpolitische Initiative JiVE wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen, um sich dieser Problematik anzunehmen. Auf dem 15. Kinder- und Jugendhilfetag in Berlin zogen ihre Teilinitiativen eine positive Bilanz.

Podiumsteilnehmer/-innen
v.l.n.r.: Anneli Starzinger (IJAB), Albert Klein-Reinhardt (BMFSFJ), Heinz Thomas (Stadt Hamm), Sterenn Coudray (IB), Hildegunde Rech (Stadt Wiesbaden) BildImage: IJAB/Whightlight Studio Berlin

Albert Klein-Reinhardt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) war sichtbar zufrieden. “JiVE verbindet Bildung mit Mobilität, macht internationale und europäische Jugendarbeit sichtbarer, fördert den interkulturellen Dialog und bildet die Fachkräfte weiter. Durch die zahlreichen Kooperationspartner wird JiVE auch über das Jahr 2014 hinaus wirken, so wie wir es uns gewünscht haben.”
 
Um dem Dach von „JiVE. Jugendarbeit international - Vielfalt erleben” entstanden insgesamt acht Teilinitiativen, die alle eigenständig arbeiten, jedoch durch IJAB und JUGEND für Europa koordiniert und vernetzt werden. Jede Teilinitiative hat dabei die Zielsetzung für ihren Bereich spezifiziert und setzt sie in ihren Trägerstrukturen um. Eine Übersicht ist unter www.jive-international.de abrufbar.
 
Auf dem Podium war jede Teilinitiative durch eine Sprecherin oder einen Sprecher vertreten, um den Umfang und die Vielfalt der Arbeit angemessen zu würdigen. “Wir konnten Migrantinnen und Migranten gezielt ansprechen und haben sie so für die Angebote der Internationalen Jugendarbeit verstärkt gewinnen können”, berichtete etwa Johanna Heil von der djo-Deutsche Jugend in Europa über die Teilinitiative “International:Interkulturell”. Demnach war es für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund eine besondere Erfahrung, plötzlich im Ausland als Repräsentant deutscher Kultur wahrgenommen zu werden, von der sie sich sonst immer ausgeschlossen fühlten.
 
Stephan Höller konnte für die Teilinitiative “SPORTIVE - Sportjugend International - Vielfalt erleben”  ähnliches berichten: “Wir haben es natürlich im Sport immer etwas leichter, da wir bereits viele Migrantinnen und Migranten dabei haben und diese nicht erst ansprechen müssen. Und im Profisport sind Stars mit Migrationshintergrund als positives Vorbild heute selbstverständlich”. Er kündigte an, dass die internationale Arbeit durch JiVE ein Schwerpunkt in der Arbeit der Sportjugend bleiben wird.  
 
Manfred Fuß ist engagiertes Mitglied der Teilinitiative Inklusion International, die vom BundesForum Kinder- und Jugendreisen durchgeführt wird. Um das Ziel der Inklusion behinderter Jugendlicher in Internationalen Jugendbegegnungen und pädagogischen Kinder- und Jugendreisen zu erreichen, ist der Weg noch lang. Ziel ist es, dass beeinträchtigte Jugendliche genauso selbstverständlich an internationalen Begegnungen teilnehmen können, wie alle anderen. “Inklusion müssen wir sehr weit fassen und darunter nicht nur körperliche Einschränkungen verstehen. Um Ängste von benachteiligten Kindern und ihrer Eltern abzubauen, müssen wir positive Angebote schaffen, die Beeinträchtigungen von vorneherein miteinplanen. Zurzeit haben wir eine Kultur der Trennung. Da liegt noch viel Arbeit vor den Trägern. Unser Vorbild sind kleine Kirchengemeinden, da wird Inklusion bereits ganz selbstverständlich gelebt”, so Fuß.  
 
Die Teilinitiative “Diversitätsbewusste internationale Jugendarbeit”, vertreten durch Christof Kriege von JUGEND für Europa, verwies auf zahlreiche Trainingsseminare mit Pädagogen, die im internationalen Team geschult wurden. JiVE habe den Migrationshintergrund junger Menschen intensiv thematisiert und damit selbst zu einer „positiven Diskriminierung dieser Zielgruppe auf Zeit“ beigetragen. Die Internationale Jugendarbeit müsse sich vom Konzept nationaler Zuschreibungen zugunsten einer Subjekt-Orientierung entfernen. Dies ist das Ziel einer diversitätsbewussten internationalen Jugendarbeit.
 
Beeindruckend ist auch die Bilanz der Teilinitiative Kommune goes International. 21 Kommunen waren aktiv dabei, das bedeutet 21 lokale Entwicklungspläne zur Verankerung und Stärkung der Internationalen Jugendarbeit vor Ort. “Wir möchten, dass alle Kinder internationale Erfahrungen machen können”, beschrieb Heinz Thomas vom Jugendamt der Stadt Hamm die ambitionierten Ziele. “Das können wir jedoch auf keinen Fall alleine stemmen, daher haben wir erstmal viele Klinken geputzt und Partner gewonnen.” So konnte trotz sinkender Mittel im Jugendhilfeplan in Hamm viel für die internationale Jugendarbeit erreicht werden.  
 
Doch wie kann man von Hamm lernen und die internationale Jugendarbeit in ganz Deutschland stärken? Bei dieser Zuschauerfrage verwies Albert Klein-Reinhardt auf ein sich in der Erarbeitung befindliches Handbuch, dass die Erfahrungen der Teilinitiative Kommune goes International als Praxisleitfaden zusammenfasst. Das Handbuch kann in Kürze über ijab.de bestellt werden.

Für die beteiligten Träger der Jugendsozialarbeit war es wichtig, die Internationale Jugendarbeit auch strukturell in ihren Organisationen zu verankern, sei es durch Leitlinien oder Beschlüsse von Bundesversammlungen, so Sterenn Coudray vom Internationalen Bund. Die Träger der Jugendsozialarbeit sind in ihrer alltäglichen Arbeit, aber auch mit all ihren Facetten, nahe an der Zielgruppe dran, die verstärkt in die Internationale Jugendarbeit einbezogen werden soll.

Aus der Dynamik der JiVE-Initiative heraus haben sich neue Themen entwickelt, die auch perspektivisch für JiVE weiter von Bedeutung sein werden. So hat sich unter dem Titel "Jugendberufshilfe goes International" eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich bundesweit aufstellen will, um die Einbeziehung internationaler Maßnahmen in die Jugendberufshilfe zu forcieren und auch politisch voranzubringen. Für eine Beteiligung weiterer Kommunen und Träger an dieser AG warb Miriam Jusuf vom aktuellen forum NRW e.V. Die Potenziale der Internationalen Jugendarbeit zur Unterstützung des Übergangs von der Schule in den Beruf beschrieb auch Hildegunde Rech vom Amt für soziale Arbeit in Wiesbaden. In Wiesbaden wurden bei einem Projekt der Schulsozialarbeit gerade solche Jugendlichen einbezogen, die sonst keine Chancen auf positive Lernerfahrungen haben, da der Schulalltag zumeist negative Erlebnisse für sie bereit hält.

Albert Klein-Reinhardt macht den Trägern Mut: “Wir werden selbstverständlich die Ziele von JiVE weiter fördern. Solange die Träger der Jugendhilfe die Internationalisierung weiter in den Fokus stellen, bleibt es bei unserer Förderung. Das ist auch für das Ministerium ein wichtiges Thema”, so sein Fazit.



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