Marco Heuer

Koordinierte Unterstützung am Übergang Schule-Beruf – ein Blick nach Luxemburg und Finnland

Ins Übergangssystem zwischen Schule und Berufsausbildung/ Arbeit kommt auf europäischer Ebene Bewegung. Die Beispiele aus Luxemburg und Finnland zeigen, wie Jugendliche eine abgestimmte und koordinierte Unterstützung erhalten können. Beide Länder sind neben Frankreich und Deutschland im multilateralen Kooperationsprojekt „transitions. Gelingende Übergänge in Ausbildung und Arbeit“ vertreten.

BildImage: apops - Fotolia.com

In Luxemburg vereint das „Maison de l´orientation“ (MO) verschiedene Institutionen und deren spezifische Unterstützungsangebote unter einem Dach. Schulpsycholog(inn)en, Berufsberater/-innen und so genannte Lokalbetreuer/-innen (Action Locale pour Jeunes/ ALJ) sind dort miteinander vernetzt. Für die systematische Begleitung der Jugendlichen im Übergang zwischen Schule und Berufsausbildung sind die Sozialpädagog(inn)en der ALJ zuständig. Bereits im letzten Schuljahr kommen sie in die Klassen, um den etwa 15 bis 17 Jahre alten Jugendlichen in Workshops dabei zu helfen, eine Lehrstelle zu finden. Eingeübt werden Stellensuche, Kontaktaufnahme und Vorstellungsgespräche, aber auch ganz praktische Tipps spielen eine Rolle – etwa zur Auswahl der richtigen Kleidung oder das Lesen des Busfahrplans, um pünktlich am Zielort zu erscheinen. „Entscheidend ist, dass wir es schaffen, bei den Jugendlichen Vertrauen aufzubauen“, sagt Claudine Colbach, Koordinatorin der ALJ-Angebote in Luxemburg. „Die Jugendlichen verlieren schnell den Mut, wenn es nicht gleich klappt. Und es gelingt selten in kurzer Zeit. Viele wissen nicht, dass sie vielleicht schon mal 30 Betriebe anschreiben müssen, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Da müssen wir gegen Enttäuschung und fehlende Motivation ankämpfen.“ Damit das gelingt, sehen sich die ALJ-Coaches und die Jugendlichen ein- bis zweimal die Woche. Meldet sich der Jugendliche nicht von sich aus, nehmen die Betreuer/-innen selbst Kontakt auf.

Unterstützung für alle Jugendlichen

Die Mitarbeiter(innen) der ALJ sind alle Sozialpädagog(inn)en mit einer Zusatzausbildung im Jugendcoaching. Begleitet wird der Jugendliche, so Colbach, „bis eine für ihn zufriedenstellende Lösung gefunden ist.“ Gleiches gilt für die Schulabbrecher/-innen. Auch sie werden von der ALJ betreut. Da sie einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, ist ihr Netzwerk umfassender und geht weit über den Kreis der Partner des „Maison de l´orientation“ hinaus. „Wir haben festgestellt, dass wir bei Jugendlichen vor der beruflichen Orientierung ganz oft erst mal soziale und gesundheitliche Probleme lösen müssen. Deshalb arbeiten wir mit sozialen Diensten im ganzen Land zusammen“, erklärt Colbach. Besorgt zeigen sich die ALJ-Mitarbeiter/-innen, dass die Zahl der Jugendlichen, die Hilfe benötigen, deutlich gestiegen ist. Grund ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt, der für wenig qualifizierte Jugendliche immer schwieriger werde. „Es gibt immer mehr junge Menschen, die bei uns einfach nur ziellos zu Hause rumsitzen“, sagt Colbach. Immerhin: Der Freiwilligendienst des „Service National de la Jeunesse“ bietet diesen Jugendlichen Hilfe und Alternativen an. Pro Jahr können 250 von ihnen aufgenommen werden. „Es gibt aber dreimal so viele Anfragen“, erklärt die ALJ-Koordinatorin: „Wir sind jetzt dabei, die Jugendgarantie auszuarbeiten. Hoffentlich lassen sich auf diesem Wege noch neue Möglichkeiten finden, die bei der Wiedereingliederung helfen.“

Fehlende Kontinuität beim Personal

In Finnland gilt die durch den finnischen „Youth Act“ vorgeschriebene Kooperationspflicht von Kommunen. Danach wird nicht nur gesetzlich geregelt, welche Städte und Gemeinden im Übergangssystem welche Aufgaben übernehmen müssen, sondern auch, wie das zu geschehen hat – ein zentralistischer Ansatz, der im föderalen Deutschland so nicht umsetzbar ist. Auch in kleinen Städten lässt man sich bereits einiges einfallen. Beispiel Tornio. In der knapp 23.000 Einwohner zählenden nordfinnischen Stadt besuchen regelmäßig im Frühjahr sogenannte Arbeits- und Studien-Berater/-innen (student counselors) die verschiedenen Jahrgangsstufen. Mögliche Probleme von Jugendlichen werden gemeinsam mit den Lehrkräften erörtert. Wichtig seien die Treffen vor allem bei anstehenden Schulwechseln (Klasse 6-7) und in der letzten Klassenstufe, sagt Elina Viisanen, Jugendarbeiterin beim Jugendamt Tornio. Dort würden sich dann auch immer die Jugendarbeiter/-innen den jungen Menschen vorstellen. Die Botschaft: Ihr könnt mit unserer Unterstützung rechnen. Wer aus eigener Kraft keinen Ausbildungsplatz findet, bekommt einen Coach an die Seite. „Wir haben festgestellt, dass wir vor allem mit Vier-Augen-Gesprächen und gezielten Besuchen in der Schule erfolgreich sind“, erklärt Viisanen. Aber auch die enge Zusammenarbeit mit Eltern, Krankenpflegern und Jugendarbeiter/-innen sei von zentraler Bedeutung für das Übergangssystem. Trotzdem gebe es, so Elina Viisanen, keine Hilfsangebote unter einem Dach. Was es allerdings gibt, ist das so genannte „Youth Guidance and Service Network“. Danach arbeiten in der Regel sechs Akteure – vom Arbeitsmarkt- und Ausbildungsexperten bis hin zum „Karriereplaner“ – sektorübergreifend zusammen. Das Ziel: Sämtliche Informationen werden zusammengetragen, um für eine bessere Integration der Jugendlichen zu sorgen. Trotzdem, so sagen es auch die Finnen, sind die gesetzlichen Regelungen allein noch kein Garant dafür, dass die Umsetzung auch tatsächlich immer gelingt. Vielmehr komme es – wie so oft – auf die Initiative von engagierten Einzelpersonen an. Problematisch sind, so Jugendamtsmitarbeiterin Eilina Viisanen, insbesondere die oft nur befristeten Verträge der Jugendarbeiter/-innen. „Wir haben im Übergangssystem so viele Personalwechsel, dass es schwer fällt, Kontinuität herzustellen. Und dann sind wir ohnehin nicht genügend Fachkräfte. Unter diesen Bedingungen ist es wirklich schwer, allen Jugendlichen in der Stadt gerecht zu werden.“ Dabei sei es das Ziel, gerade die aufsuchende Jugendarbeit zu verstetigen.

Als positiv bewerten beide Länder den intensiven Austausch durch das multilaterale Kooperationsprojekt. „Wir schauen intensiv, welche Ideen die anderen Länder jeweils entwickeln. Wir in Luxemburg könnten zum Beispiel Impulse für neue Beschäftigungsprojekte gut gebrauchen – und zwar für Jugendliche, die eine begrenzte Zeit im Leerlauf sind“, sagt Claudine Colbach. Und auch Elina Viisanen aus Finnland hat einen Wunsch. Sie hofft, dass auch kleine Städte wie Tornio künftig von den Good-Practice-Projekten anderer Länder profitieren.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – keine Bearbeitung CC BY-ND 3.0


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