Dr. Dirk Hänisch

transitions: Expertentreffen diskutiert Übergänge in Ausbildung und Arbeit

In Köln-Riehl trafen sich am 14.02.2012 Fachleute aus dem Bereich Übergänge in Ausbildung und Arbeit zu einem ersten nationalen Expertentreffen. Es war der Auftakt des auf drei Jahre angelegten multilateralen Kooperationsprojektes „transitions. Gelingende Übergänge in Ausbildung und Arbeit“. Ziel war die Information über das Projekt, die Abstimmung von Bedarf und Interessen der Partner und die Entwicklung von Fragestellungen für die internationale Zusammenarbeit.

An dem Expertentreffen beteiligten sich 31 Akteure, die in unterschiedlichen Bereichen des Übergangs in Ausbildung und Beruf tätig sind, darunter Vertreter/-innen aus Jugendhilfe und Jugendsozialarbeit, Kommunen, Landes- und Bundesministerien, Jobcentern, Bundesagentur für Arbeit, Wirtschaft und Schule. Die Direktorin von IJAB, Marie-Luise Dreber, unterstrich in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung der Vernetzung der Akteure für das Gelingen des Projekts. „Nach der Bestandsaufnahme, welche Maßnahmen im Übergangsbereich zu Ausbildung und Arbeit erfolgreich sind bzw. wo noch Defizite und Probleme bestehen, wird in einem zweiten Schritt der internationale Fachaustausch für den grenzüberschreitenden Know-how-Transfer von Bedeutung sein“, hob sie hervor. „Dass der internationale Fachkräfteaustausch dem Voneinander-Lernen dient und neue Impulse gibt, belegen nicht zuletzt auch wissenschaftliche Studien.“

Die jugendpolitische Einbettung des Projektes Übergänge

Albert Klein-Reinhardt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) betonte die Bedeutung von „transitions“ für die Entwicklung einer Eigenständigen Jugendpolitik, die Umsetzung der Europäischen Jugendstrategie in Deutschland und für die internationale Jugendpolitik des Ministeriums. Das Thema Gelingende Übergänge in Ausbildung und Arbeit ist für das BMFSFJ einer der jugendpolitischen Schwerpunkte, wie auch die Förderung der Initiative JUGEND STÄRKEN und das Modellprogramm „JUGEND STÄRKEN: Aktiv in der Region“ bzw. der neue Projektbaustein „JUGEND STÄRKEN: Junge Wirtschaft macht mit!“ zeigen. Für eine gemeinsame dreijährige multilaterale Zusammenarbeit sind Finnland, Spanien, Frankreich, die Türkei und die Niederlanden angefragt. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird vom Bundesjugendministerium gefördert.

Mitwirkungsmöglichkeiten der Expert(inn)en

Informationen zu Hintergrund, Zielen, thematischem Fokus, nationalen Akteuren und den Partnerländern erläuterte die Projektleiterin des multilateralen Kooperationsprojektes „transitions“ Claudia Mierzowski (IJAB). Ausdrücklich betonte sie in ihrer Vorstellung die zahlreichen fachlichen Mitwirkungsmöglichkeiten für die Expertinnen und Experten im Rahmen des Projekts, etwa durch ihre Teilnahme an der begleitenden Expertengruppe, an den internationalen Fachprogrammen, an geplanten Konferenzen und Tagungen sowie durch die Nutzung der Projektergebnisse und die Durchführung eigener Arbeitsvorhaben im Kontext des Projektes.
Die Präsentation stieß auf interessierte Resonanz. Zwei Anregungen aus dem Expertenkreis fanden Beachtung und werden Eingang in die weitere Diskussion finden: Mit Blick auf das bestehende Modell der Produktionsschulen plädierten zum einen insbesondere die norddeutschen Ländervertreter für die Einbeziehung von Dänemark in einen zukünftigen Fachaustausch, zum anderen wurde auf die Notwendigkeit der verstärkten Einbeziehung von Schulen und Schulbehörden als wichtige Instanzen  bei der frühzeitigen Unterstützung beim Übergang in Ausbildung und Beruf hingewiesen. 

Konkretisierung künftiger Themenfelder und Fragestellungen

Drei Workshops erhoben die Bedarfe und aktuelle Diskussionsthemen aus den unterschiedlichen Feldern. Die Ergebnisse dienen dazu, die künftigen Themenfelder und Fragestellungen für das Projekt zu konkretisieren. Die Expert(inn)en diskutierten dies anhand der Fragen:

  • Wo sehen Sie die größten Herausforderungen im Bereich der individuellen Begleitung benachteiligter junger Menschen am Übergang in Ausbildung und Beruf?
  • Lokale Koordinierung und Kooperation von Akteuren vor Ort: Was läuft hier bereits gut? Wo gibt es Handlungsbedarf?
  • Wo sehen Sie im Kontext der Übergangsthematik Bedarf in der Weiterentwicklung der frühen Unterstützung benachteiligter junger Menschen?

In den drei Workshops wurden die folgenden Themen und Fragestellungen diskutiert: 

  • Frühe Unterstützung junger Menschen am Übergang 
    Entscheidend für gelingende Übergänge ist eine enge Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule, die Integration außerschulischer Angebote und eine frühzeitige Einbundung von Unternehmen um jungen Menschen eine breite Unterstützung zu ermöglichen. In diesem Kontext ist es für die deutschen Epert(inn)en von Interesse, zu welchem Zeitpunkt die Partner im Ausland mit Orientierungs- und Beratungsangeboten beginnen.
  • Zusammenarbeit mit Unternehmen 
    Eine stärkere Einbeziehung von Unternehmen ist gerade dann wichtig, wenn es um die Ausbildung von „benachteiligten“ Jugendlichen geht. Dabei darf die Zusammenarbeit nicht nur unter dem Aspekt der „ökonomischen Nutzenerwartung“ geschehen.
  • Koordinierung und Kooperation
    Es gibt in Deutschland eine Überschneidung der Zuständigkeitsbereiche und eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen und Programme im Übergangsbereich. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie in anderen Ländern die verschiedenen Aktivitäten koordiniert werden bzw. wie die Akteure miteinander kooperieren.
  • „Benachteiligung“ als Stigmatisierung von Jugendlichen; welche Konzepte haben andere Länder im Umgang mit „Benachteiligung“?
    Wie wird der Begriff der Benachteiligung in anderen Ländern definiert? Welchen Umgang gibt es damit? Wie kann das Spannungsverhältnis zwischen arbeitsmarktorientierter Unterstützung und ganzheitlichem Ansatz zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen aufgelöst werden?
  • Beziehungsarbeit
    Beziehungsarbeit wird als Schlüssel für eine erfolgreiche Gestaltung des Übergangs gesehen. Dies bezieht sich auf den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen sowohl zwischen Beratungspersonen und Jugendlichen als auch zwischen Trägern der Sozialarbeit, Schule und Unternehmen. Eine der zu diskutierenden Themen ist die Bedeutung der langfristigen Begleitung junger Menschen über mehrere Jahre am Übergang; weitere sind die Bedeutung des Sozialraums für Jugendliche, die Rolle von Peers sowie die Bedeutung von Elternarbeit.

Nächste Schritte

Die Ergebnisse der Workshops werden vom Projektteam inhaltlich aufbereitet und in einer Ergebnisdokumentation zusammengefasst, die an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expertentreffens geht. Die Aufbereitung findet anschließend thematisch Eingang in das anstehende internationale Expertentreffen, bei dem mit den Partnerländern die einzelnen Maßnahmen und Aktivitäten verabredet werden.

Im Frühjahr 2012 steht ein internationales Expertentreffen mit Vertreter/-innen der Partnerländer auf der Agenda; die Implementierung einer begleitenden Expertengruppe erfolgt im Sommer 2012 und die Fachprogramme werden ab der zweiten Jahreshälfte 2012 beginnen.



Expertentreffen "transitions. Gelingende Übergänge ..."

Kommentare ( 1 )

@jungedeutsche

Wir sind gespannt, inwiefern dieser internationale Austausch die Rahmenbedingungen der Übergänge junger Menschen in Deutschland verbessern und ihren Lebensrealtiäten anpassen kann. Viel Erfolg

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