Marco Heuer

Übergang Schule – Beruf: Ohne feste Ansprechpartner geht es nicht

Wie kann Kooperation auf lokaler Ebene erfolgreich gestaltet werden? Welche Rolle spielt Jugendpolitik im Bereich der Koordination? Und unter welchen Rahmenbedingungen kann die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren vor Ort gelingen?

BildImage: istockphoto/gehringj   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – keine Bearbeitung CC BY-ND 3.0

Mit diesen Fragen haben sich die Teilnehmenden des multilateralen Kooperationsprojekts „transitions. Gelingende Übergänge in Ausbildung und Arbeit“ auf ihrem Fachprogramm in Finnland beschäftigt. Neben dem Gastgeberland hatten Fachkräfte der Jugendhilfe sowie Wissenschaftler/-innen aus Deutschland, Frankreich und Luxemburg an dem Austausch teilgenommen.

Für besonders viel Diskussion unter den Fachkräften sorgte die durch den finnischen „Youth Act“ vorgeschriebene Kooperationspflicht von Kommunen. Danach wird nicht nur gesetzlich geregelt, welche Städte und Gemeinden im Übergangssystem welche Aufgaben übernehmen müssen, sondern auch, wie das zu geschehen hat – ein zentralistischer Ansatz, ganz anders als im föderativen Deutschland. Das Besondere in Finnland: Im so genannten „youth guidance and service network“ arbeiten in der Regel sechs Akteure – vom Arbeitsmarkt-und Ausbildungsexperten bis hin zum „Karriereplaner“ – sektorübergreifend zusammen. Dabei werden sämtliche Informationen zusammengetragen, die für eine bessere Integration der Jugendlichen von Belang sind. Trotzdem, so sagen es auch die Finnen, sind die gesetzlichen Regelungen allein noch kein Garant dafür, dass die Umsetzung auch tatsächlich immer gelingt. Vielmehr komme es – wie so oft – auf die Initiative der einzelnen Mitglieder des Netzwerks an.  

 „Alles unter einem Dach“

„Die Konferenz hat gezeigt, dass alle beteiligten Länder bemüht sind, die ausführenden Ebenen des Übergangs besser miteinander zu koordinieren und die präventive Arbeit mit Jugendlichen im Übergang Schule – Beruf stärker in den Blick zu nehmen. Das gilt auch für Finnland“, sagte Thorsten Strehl, Übergangsmanager bei der REGE mbH in Bielefeld. Im dortigen Jugendhaus findet die Zusammenarbeit aller am Übergang beteiligten Rechtskreise – SGB II: Jobcenter, SGB III: Agentur für Arbeit und SGB VIII: Jugend(berufs)hilfe – bereits unter einem Dach statt. „Diese Kooperation muss natürlich ständig neu gelebt, erneuert und weiter entwickelt werden“, sagte Strehl. Ähnliche Angebote sieht er bislang nur im „Maison de l´orientation“ in Luxemburg. Seine Idee: ein Job-Shadowing mit dem Partner im kleinen Benelux-Staat, um die Vorteile und Probleme bei einem Unter-einem-Dach-Beratungsangebot-im-Übergang besser miteinander vergleichen zu können.

Mehr Kommunikation


Zufrieden mit den Ergebnissen des Fachprogramms äußerte sich auch Nathalie Schirtz, Leiterin des Fachbereichs „transition“ beim Nationalen Jugenddienst SNJ in Luxemburg: „Der Erfolg von Koordination und Kooperation auf lokaler Ebene hängt sehr viel von einer guten Kommunikation ab. Die Partner müssen einfach miteinander im Gespräch sein. Jeder sollte wissen und wertschätzen, was der andere tut – und zwar nicht auf einer abstrakten Ebene, sondern konkret in der Arbeit für junge Menschen.“ Schirtz wünscht sich beispielsweise, dass Lehrer und Sozialarbeiter künftig stärker zusammen arbeiten. Eine Jugendgarantie – das Recht junger Menschen auf einen neuen Arbeitsplatz oder eine Ausbildung nach maximal vier Monaten Arbeitslosigkeit – will das Land 2014 einführen. „Ich bin überzeugt, dass das ein sehr effektives Instrument ist“, so Schirtz, „Auch über die aufsuchende Jugendarbeit wollen wir uns wieder verstärkt Gedanken machen.“

Besserer Austausch mit Schule


Von einem äußerst fruchtbaren Gedankenaustausch in Helsinki sprach die Französin Anne-Catherine Dupuy, Leiterin im Nationalrat der „Missions Locales“, einem öffentlichen Jugendhilfeträger, der auf lokaler Ebene tätig ist und sich um die soziale und berufliche Integration von Jugendlichen kümmert. „Wir müssen schauen, dass wir an die Schulen und an die Lehrer besser rankommen. Das wird nicht einfach. Der Komplex Schule ist bei uns in Frankreich noch eine Art geschlossenes System.“ Dupuy kann sich gut vorstellen, dass Lehrer und Sozialarbeiter künftig auch in Trainingsmodulen zusammen ausgebildet werden. „Egal, welchen Ansatz wir verfolgen, am Ende geht es immer um die Integration der Jugendlichen. Da kommt vor allem der präventiven Jugendarbeit ein besonderer Stellenwert zu.“

Die „Missions Locales“ sind mit rund 450 Anlaufstellen flächendeckend in ganz Frankreich verteilt. Ihre Angebote richten sich an Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren und damit besonders an diejenigen, die aus prekären und bildungsfernen Schichten stammen und deren Integration in Gesellschaft und Berufsleben besonders anspruchsvoll ist.  

Viele Ideen im Gepäck


Einig waren sich alle Teilnehmerländer auch darin, dass es im Übergangssystem feste Ansprechpartner und Koordinatoren geben muss. „Einer muss den Hut aufhaben“, so Dorothee Gehrke, die im Kreis Offenbach in der Jugendsozialarbeit tätig ist.

Petra Klein, Projektleiterin im „Haus der offenen Tür“ in Sinzig, will das Konzept von Schülerfirmen in Förderschulen weiterverfolgen. „Der Austausch mit den anderen Ländern hat mir gezeigt, dass ´entrepreneurial education´ ein wichtiger Beitrag in der Übergangs-Debatte sein kann“, so Klein. Paul Fülbier, Jugendamtsleiter im Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Viersen, hat sich vorgenommen, sich künftig noch mehr für den Ausbau und die Verstetigung von Schulsozialarbeit zu engagieren.

Motivation klären


Insgesamt sind die deutschen Fachkräfte der Jugendhilfe mit vielen Ideen aus Finnland zurückgekommen, die sie jetzt vor Ort umsetzen wollen. Ob Gespräche im eigenen Haus, Einladung zu Experten-Treffen oder konkrete Austauschprojekte mit den Partnern im Ausland – stets geht es um die Frage, wie die beteiligten Akteure im Übergang besser kooperieren können. Dabei spielt auch die Frage nach der Motivation eine wichtige Rolle. „Der Nutzen eines Netzwerks muss immer wieder neu überprüft werden, sagte Gehrke. Eine Idee können hier gemeinsame Projekte sein, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der Partner im Übergang stärken.

Im Oktober werden sich die deutschen Fachprogramms-Teilnehmer/-innen in einer Videokonferenz zusammenschalten. Ziel ist es, die bis dahin vorgenommenen „nächsten Schritte“ gemeinsam zu analysieren – vor allem aber geht es darum, in Kontakt zu bleiben und sich für die anstehenden Aufgaben gegenseitig zu motivieren.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0


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