Kira Schmahl

„Kann ich auch mal meine Mutter googeln?“

„watch your web“ veranstaltete in Köln einen Workshop mit Kindern und Jugendlichen zum Thema Privatsphäre im Netz. Kernthemen waren: Datenschutz, Privatsphäreeinstellungen in den sozialen Netzwerken und Cybermobbing.

Kinder informieren sich auf der Website von "watch you web" über mögliche Gefahren bei fahrlässigem Umgang mit dem Datenschutz BildImage: Anna Klatt   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

"Privatsphäre im Internet" war das übergeordnete Thema eines Workshops am 3. November im KidS Zentrum der Stadt Köln. Mit einer Gruppe von 11 Kindern und Jugendlichen im Alter von 9 bis 15 Jahren wurde sich den Themen Privatsphäre im Internet, Soziale Netzwerke und Datenschutzeinstellungen sowie Cybermobbing einmal etwas praktischer genähert.

Eine der ersten Aufgaben: Wenn die Kinder einen Flyer über sich selber erstellen müssten, der dann in der Stadt verteilt wird, was würde darauf stehen? Zunächst verwirrte Gesichter und die allgemeine Reaktion: Ich würde erst gar keinen Flyer erstellen. Sehr vernünftig, jedoch der Aufgabe nicht dienlich, wurde der Kompromiss gefunden, dass mindestens vier möglichst allgemeine Informationen auf dem Flyer stehen sollten. Und das Ergebnis war zufriedenstellend. Die meisten Kinder waren sehr umsichtig mit Infomationen zu ihrer eigenen Person und gaben in den meisten Fällen nur ihren Vornamen, ihr Alter sowie Hobbies oder Lieblingstiere an. Die Kampagnenvideos von „watch your web“ dienten hier als Anschauungsmaterial für dem Umgang mit privaten Daten.

Eine weitere praktische Aufgabe stellte dann das Googeln der eigenen Person dar, um zu schauen, ob sich schon Daten der Kinder im Netz finden. Keines der Kinder fand über die Suchmaschine Informationen über sich, die sie selber ins Netz gestellt hatten. Wenn es Informationen gab, dann zum Beispiel Bilder der Schulhomepage oder des örtlichen Sportvereins. Eine Tatsache, die durchaus kritisch zu sehen ist. Die meisten Kinder wussten schon gar nicht mehr, wann genau diese Fotos entstanden waren bzw. ob der Fotograf deutlich gemacht hatte, dass die Fotos im Netz veröffentlicht werden. Das Internet vergisst nichts, das zeigte sich hier einmal mehr. In Zuge dessen wurde dann noch das Recht am eigenen Bild erklärt und den Kindern deutlich gemacht, dass niemand ohne ihre Erlaubnis Bilder von ihnen veröffentlichen darf, bestimmte rechtliche Regelungen ausgenommen. Interessant wurde es dann noch einmal, als andere Personen wie Eltern oder Geschwister in den Fokus rückten, die auch gegoogelt wurden. Eine Mutter wurde dann mit dieser Suche bei Facebook gefunden, was zeigt, dass auch der Informationsbedarf bei der älteren Zielgruppe durchaus noch vorhanden zu sein scheint.

Ein weiterer Kern des Workshops waren die Sicherheitseinstellungen in den sozialen Netzwerken. Diese wurden mit den Jugendlichen direkt praktisch am Computer erarbeitet, wobei zu betonen ist, dass gerade die Älteren ihren Facebook-Account in den meisten Fällen in der Sichtbarkeit auf ihre Freunde beschränkt hatten. Bei den Jüngeren wurden entsprechende Einstellungen in den Profilen bei Schüler-VZ vorgenommen.

Auch das Thema Cybermobbing wurde anhand des aktuellen Beispiels von Amanda Todd aus Kanada besprochen. Persönlich hatten die Kinder noch keine Cybermobbing-Erfahrung gemacht, zumindest keine, die sie teilen wollten, jedoch hatten mehrere Kinder schon von Fällen aus dem Bekanntenkreis zu berichten. Es wurden hier im Anschluss auch die Möglichkeiten besprochen, die es gibt, um sich in einem solchen Fall Hilfe zu holen.

Der Workshop sollte im Wechsel von Theorie und Praxis den Kindern und Jugendlichen vermitteln, dass private Daten wert sind, geschützt zu werden, um Datenmissbrauch zu vermeiden und so auch die eigene Person vor Phänomenen wie Cybermobbing zu schützen.

Insgesamt ist festzuhalten, dass in dieser Gruppe die Sensibilität gegenüber privaten Daten schon sehr gestärkt zu sein schien. In den praktischen Aufgaben wurde dies immer wieder deutlich. Vielleicht ist es dem Phänomen der sozialen Erwünschtheit geschuldet, aber sicherlich haben auch Informationskampagnen wie watch your web die jungen Menschen für dieses Thema sensibilisiert. Auch die neueste Studie der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) zu diesem Thema mit dem Titel „Digitale Privatsphäre- Heranwachsende und Datenschutz auf sozialen Netzwerkplattformen“ kommt zu dem Ergebnis, dass Jugendliche vorsichtiger geworden sind im Umgang mit ihren sozialen Daten im Netz. Das Internet ist ein öffentlicher Raum, das ist heute vielen bewusster und hat dementsprechend Einfluss auf ihr Netzverhalten. Kontinuierliche Aufklärung zu diesem Thema bleibt dabei ein wichtiger Punkt.

Positives Feedback der Kinder rundete den Workshop-Tag ab und eine Wiederholung von Veranstaltungen dieser Art ist nicht ausgeschlossen.

watch your web ist ein Informationsportal und informiert Jugendliche u.a. über Datenschutz, Verbraucherschutz und Urheberrecht im Netz. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Mehr Infos auf: www.watchyourweb.de oder unter twitter.com/watchyourweb und facebook.com/watchyourweb.

Literatur: Schenk, M., Niemann, J., Reinmann, G., Roßnagel, A. (Hrsg.) (2012): Digitale Privatsphäre. Heranwachsende und Datenschutz auf Sozialen Netzwerkplattformen, Schriftenreihe Medienforschung der LfM, Düsseldorf: VISTAS.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0


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