Julian Heck

Auch wir haben was zu sagen!

Wenn es um das Internet und Netzpolitik geht, sind gleich viele Experten an Diskussionen beteiligt: Medienrechtsanwälte, IT-Menschen, Politiker, Blogger, Journalisten – aber keine Jugendlichen, obwohl diese doch das Internet überdurchschnittlich viel nutzen. Nicht so beim ersten Jugend Internet Governance Forum in Berlin.

Lebhafte Diskussionen beim Internet Governance Forum
BildImage: Julian Heck   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

Bevor das Internet Governance Forum Deutschland (IGF-D) am Montag, dem 7. Mai losging, trafen sich am Samstag zuvor Jugendliche, um ihre eigene Meinung zum weiten Thema Internet zu bilden und auszutauschen. Einen Tag lang wurde über die Themen Bürgerbeteiligung 2.0, Datenschutz, Urheberrecht und „Vergessen im Internet“ diskutiert – gemeinsam mit Experten auf dem jeweiligen Gebiet.

Mit Daniel Reichert, Vorstandsvorsitzender von Liquid Democracy e.V., haben die Jugendlichen über Beteiligungsformen im Internet gesprochen. Er hat die Plattform Adhocracy und das mögliche Delegiertenprinzip, der Stimmweitergabe an andere, beschrieben und mit uns über Vor- und Nachteile diskutiert. Ist es noch demokratisch, wenn ich meine Stimme immer weitergebe und am Ende vielleicht mein Wille gar nicht mehr um- und durchgesetzt wird? Die Plattform betrachten alle Jugendlichen durchweg positiv, wenngleich allen – auch Daniel Reichert – klar ist, dass es eine ständige Weiterentwicklung geben muss. Doch auch schon jetzt wäre es rein technisch machbar, die ganze Bevölkerung an einem Beteiligungsprozess teilhaben zu lassen. Ein beeindruckendes Tool.

Zum Thema Urheberrecht, Datenschutz und Vergessen im Internet – die Diskussionen sind ineinander übergegangen - haben die Moderatorinnen Nadine Karbach und Lorena Jaume-Palasi drei Experten eingeladen, die die Jugendlichen darüber aufgeklärt haben, was genau unter das Urheberrecht fällt, wie das Datenschutzrecht interpretiert werden kann und ob es das Vergessen im Internet gibt. 

Mit der Einstiegsfrage „Wann hast du die letzte Urheberrechtsverletzung begangen“ waren gleich alle mitten im Thema drin. Es wurde unter anderem dargestellt, dass zum Beispiel ein Screenshot einer Website nicht gleich eine Urheberrechtsverletzung sein muss. Die Rolle der GEMA wurde heftig diskutiert: Ist die GEMA gerecht? Erfüllt die GEMA noch ihre eigentliche Funktion, auch kleinere Künstler zu unterstützen? Klar ist für alle, dass die GEMA reformiert werden muss. Auch das Thema Kulturflatrate war ein viel diskutiertes. Denn es stellte sich bei der Diskussion der Jugendlichen heraus: Eine nicht zu unterschätzende Ursache zu illegalem Handeln ist, dass man sich den legalen Kauf, von zum Beispiel Liedern, nicht in dem Maße leisten kann, wie man gerne Musik konsumieren möchte. 

Zum Thema „Vergessen im Internet“, zu dem vom Bundesinnenministerium auch ein Wettbewerb ausgeschrieben worden ist, gab es einen klugen Satz: „Das Datenschutzrecht schützt den Nutzer nicht vor sich selbst“. Gemeint ist damit, dass man letztlich selbst dafür verantwortlich ist, welche Daten man preisgibt, wenn man vorher eingewilligt hat, dass Daten für bestimmte Zwecke verwendet werden dürfen (wie es bei Facebook der Fall ist). Doch die Anwesenden sind sich einig, dass sich dem viele Jugendlichen bewusst sind. Ein „digitaler Radiergummi“, wie er in den Medien diskutiert wurde, scheint für die Jugendlichen technisch schwer umsetzbar zu sein. Außerdem steckt hinter dem Löschen aller Daten im Internet auch die Frage, ob die Daten aus alter Zeit nicht auch nützlich sein können bei der Recherche – quasi als Archiv. Doch wie lange auch immer die Daten im Netz „herumschwirren“: Als wichtig erweist sich für alle, dass die persönlichen Informationen bei dritten Anbietern (wie Google) nicht sichtbar gemacht werden. Denn allen ist klar: Die Zahnpasta geht nicht mehr zurück in die Tube.

Das Internet Governance Forum Deutschland veranstaltete in Kooperation mit Telefonica, Youthpart, Servicestelle Jugendbeteiligung, I&G Co:llaboratory und Liquid Democracy das erste Jugend Internet Governance Forum Deutschland.

Mehr Informationen zum Internet Governance Forum Deutschland: www.igf-d.de



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