Sebastian Jabbusch

Open Lunch: Youthpart startet Partizipationsserver Ypart.eu

Digitale Jugendbeteiligung ist im Trend. Doch auf welche Software sollte man setzen? Beim „Open Lunch“ im BaseCamp Berlin wurde der neue Server für Jugendbeteiligung Ypart.eu vorgestellt und in Konkurrenz zu verschiedenen ePartizipationsverfahren und Methoden diskutiert.

Wie kann Jugendbeteiligung gelingen? Neugierige Gäste in Berlin. BildImage: Foto: Thomas Riedel; Collage: S. Jabbusch   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0

Was ist der richtige Weg? Wie stark darf eine Moderation in den Diskussionsprozess eingreifen? Sollte ePartizipation lokal verankert werden? Machen die Jugendlichen überhaupt mit? Und können sich die Kommunen das überhaupt leisten?

Noch gibt es viele Fragen rund um das Thema ePartizipation, das sich noch im Erprobungs- und Forschungsstadium befindet. Um über die neuesten Erfahrungen und Erkenntnisse zu diskutieren, trafen sich am 16. April Partizipationsexperten aus verschiedenen Projekten zum "Open Lunch" in Berlin.

Neben dem Lunch wurde jedoch auch gelauncht: Der Gastgeber youthpart startete gleich zu Beginn der Veranstaltung feierlich den Partizipationsserver "Ypart.eu", der speziell für Jugendbeteiligung entwickelt wurde.

Felix Barckhausen, Referatsleiter Jugend und Medien aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, begrüßte die Neuentwicklung. Er hieß die Gäste im Café BaseCamp willkommen und führte aus: "96 Prozent aller Jugendlichen sind im Netz. Da ist es doch selbstverständlich, dort Partizipationsverfahren durchzuführen. Mit dem Start von Ypart.eu realisiert sich heute ein Teil dessen, was das Bundesministerium vor drei Jahren mit dem Dialog Internet angestoßen hat".

Auch Ute Trentini, Referentin im BMFSFJ, äußerte sich im Rahmen der Debatte positiv über den Partizipationsserver: "Das Projekt youthpart ist eine Plattform, auf der sich viele Partner treffen. Als Ministerium können wir uns glücklich schätzen, dass IJAB hier so ein großes Netzwerk aufgebaut hat. Ich möchte den jungen Menschen danken, die sich mit so viel Engagement an der Entwicklung von Ypart gearbeitet haben."

Da Ypart nicht das einzige Angebot für ePartizipationsverfahren ist, hatte das Team von youthpart auch andere Anbieter und Projekte eingeladen, um über Vor- und Nachteile der bisher eingesetzten Systeme einen Meinungsaustausch zu führen.

Im Mittelpunkt stand die Frage nach der Moderationsmethode. Einig war man sich schnell, dass jede elektronische Debattenplattform moderiert werden sollte, um die Nutzerinnen und Nutzer nicht zeitlich zu überfordern und um sie vor Spam und Belästigung zu schützen. Umstritten war jedoch, wer letztlich an diesem machtvollen Hebel der Moderation sitzen soll.

Dr. Oliver Märker von der Konsultationsagentur Zebralog vertrat dabei die Position, dass solche Verfahren durch professionelle Moderator(inn)en oder geschulte Teilnehmer/-innen erfolgen sollte. Die eingesetzten Plattformen sollten möglichst individuell an den jeweiligen Zweck angepasst werden. Daniel Poli, Leiter des IJAB-Geschäftsbereichs Qualifizierung und Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit, warf dagegen kritisch ein, dass solche aufwändigen Moderationsverfahren und individuellen Plattformprogrammierungen höhere Kosten für die Kommunen verursachten.

Aufzeichnung des Livestreams der Veranstaltung

Ina Bömelburg von der Bertelsmann Stiftung hat gemischte Erfahrungen mit moderierten Plattformen gemacht. Im Rahmen des rheinland-pfälzischen Jugendforums "jung bewegt" griffen die Moderator(inn)en in mehreren Phasen in die Debatte ein: "Wir haben versucht möglichst nah an dem zu bleiben, was die Jugendlichen gemeint haben". Die Moderator(inn)en, teils professionell, teils geschulte Jugendliche, haben gleichzeitig auch als Motivator/-in fungiert. Doch das aufwändige Verfahren hat seine Nachteile: Auf rund 200.000 Euro schätzte Bömelburg die Kosten des Jugendforums.

Ichmache>Politik.de vom Deutschen Bundesjugendring dagegen setzt auf gewählte Moderator(inn)en. So besteht zwischen Moderator(inn)en und Jugendlichen eine Rückkopplung, erklärte Michael Scholl: "Das ist so ähnlich wie ein gewählter Vorstand oder eine Regierung im Parlament". Ichmache>Politik.de setzt auf ein hauseigenes ePart-Tool.

Eine andere Lösung bietet das Crowdsourcing-basierte Moderationsverfahren an. Anders als die moderationsbasierten Verfahren setzt Adhocracy auf die Moderation durch die Vielen. Dort gibt es keine Einzelmoderator(inn)en, sondern alle Teilnehmenden übernehmen die Aufgabe gemeinsam. Ungewünschte Beiträge werden nicht gelöscht, sondern einfach kollektiv abgewählt. Vorgestellt wurde das Verfahren von Daniel Reichert und Eva Panek von Liquid Democracy e.V. Der Verein entwickelt die Software Adhocracy, die in Varianten unter anderem bei den Plattformen offenKommune.de, Ypart.eu, einigen Universitäten und der enquetebeteiligung.de eingesetzt wurde. "Natürlich würden wir bei strafrechtlich relevanten Inhalten eingreifen, aber das war bisher kaum nötig. Ansonsten strukturiert sich die Debatte nur auf Basis der Votings der Teilnehmer", erklärte Eva Panek diese Idee.

Fazit:

Mit Ypart geht ein spannendes neues Werkzeug für Jugendbeteiligung an den Start. Jetzt ist es an den Kommunen und den Jugendlichen, die Angebote zu nutzen und durch ein entsprechendes Feedback zur Verbesserung beizutragen. Welches Software-Angebot sich am Ende durchsetzen wird, entscheiden schließlich die Nutzerinnen und Nutzer. Erfreulich ist, dass alle Anbieter gemeinsam daran arbeiten, die demokratischen Beteiligungsmöglichkeiten und den Dialog auf allen Ebenen der Gesellschaft zu verbessern.

Weitere Links zu dieser Veranstaltung:

Die Veranstaltung ist Teil der Aktivitäten des Multilateralen Kooperationsprojekts "ePartizipation: Internationaler und nationaler Erfahrungsaustausch sowie Modellentwicklung für mehr Jugendbeteiligung in der digitalen Gesellschaft“, kurz youthpart. Das Projekt verknüpft die Empfehlungen zum Bereich Partizipation des Dialog Internet mit einer im Rahmen des europäischen und internationalen Austauschs initiierten Zusammenarbeit mit Partnerländer zur ePartizipation. Ziel ist die Unterstützung, Beratung und gemeinschaftliche Weiterentwicklung netzbasierter Beteiligungsformate in Kooperation zwischen Deutschland und den Partnerländern.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung CC BY 3.0


Open Lunch 2013 in Berlin

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