Christian Herrmann

Youthpart-Partner diskutieren Guidelines für E-Partizipation

Die Entwicklung von Methoden und Werkzeugen für die Online-Partizipation von Jugendlichen sind das Kerngeschäft des IJAB-Projektes Youthpart. Dazu gehört auch ein Kriterienkatalog dafür, wie Partizipation im Internet gelingen kann, der mit den europäischen Partnern des Projektes erarbeitet wird. Wie vollzieht sich dieser Prozess und wie weit ist er fortgeschritten? Beim Partnertreffen am 17. und 18. Oktober konnte man sich davon ein Bild machen.

BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0

Ziemlich viel Papier finden die Teilnehmer/-innen des Youthpart-Partnertreffens auf ihrem Tisch vor, als Merja-Maaria Oinas vom finnischen Partner Koordinaatti die Sitzung am 17. Oktober in Wien eröffnet. Die Guidelines für gelingende E-Partizipation, über die gesprochen werden soll, liegen gleich in mehreren Varianten vor:  Eine reine Textfassung, dazu eine jugendfreundliche Variante und eine illustrierte Version dieses Dokuments. Dazu gibt es lange Listen von Punkten, bei denen es sich um das Feedback der Teilnehmenden vom Peer Learning Seminar in Helsinki handelt. Youthpart-Projektkoordinatorin Nadine Karbach hat dazu bereits Formulierungsvorschläge erarbeitet, die ebenfalls auf dem Tisch liegen.

Der Grund für so viel Papier liegt in der Komplexität des Projektes: Partner aus Österreich, Finnland, Spanien, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und der Europäischen Kommission arbeiten gemeinsam an dem Dokument. Alle Partner betreiben zugleich einen Konsultationsprozess im eigenen Land, der sicherstellt, dass nicht nur individuelle Meinungen eingeholt werden, sondern Jugendliche selbst an der Erstellung der Guidelines zu jedem Zeitpunkt beteiligt sind und dass das Dokument bereits im Zuge seiner Erstellung auf Akzeptanz trifft. Hinter den Partnern, die im Augenblick die Rolle eines Redaktionsteams einnehmen, liegen bereits Treffen in Bonn und London, ein Peer-Learning-Seminar in Helsinki und ein Onlinetreffen. Vor ihnen liegt ein Jugendbarcamp in den kommenden drei Tagen – als Teil des Konsultationsprozesses - und ein weiteres Treffen in Madrid. Die Guidelines befinden sich bei dem Treffen in Wien also gewissermaßen auf halbem Weg bis zur Abschlussveranstaltung im April 2014 in Berlin.

Teil der Komplexität des Prozesses sind auch die unterschiedlichen politischen Kulturen der beteiligten Partnerländer. So muss beispielsweise in Finnland nach jeder Wahl ein nationaler Jugendplan mit allen jugendpolitischen Kernaussagen erstellt werden. Eine Formulierung der Guidelines sieht vor, dass es einen politischen Rahmen geben soll, in den Beteiligungsprozesse eingebunden sein sollen, damit sie wirksam sein können. In Finnland lässt sich ein solcher Rahmen leicht identifizieren. Aber was machen die anderen Partnerländer oder auch diejenigen, die zu einem späteren Zeitpunkt auf die Guidelines aufmerksam werden – spätestens dann, wenn sie durch die Europäische Kommission empfohlen werden? Es erweist sich als hohe Kunst, Formulierungen so zu setzen, dass sie einerseits eindeutig sind, jedoch zugleich so viel Spielraum erlauben, dass sie auf die unterschiedlichen nationalen, regionalen, lokalen und europäischen Gegebenheiten anwendbar sind und die nötigen Freiräume zur Ausgestaltung zulassen. Vor diesem Hintergrund könnten sich die vielen Soll-Formulierungen des Dokuments als eine seiner Stärken erweisen.

Die Guidelines liefern Anregungen zur Umsetzung eines E-Partizipationsprozesses und geben im weiteren Text unterschiedliche Entwicklungsphasen für den Beteiligungsprozess vor: Entwicklung, Implementierung, Zugang und Information, Eingabephase, Ausgabe- und Ergebnisphase sowie Evaluation. Sie sind jedoch weder ein technisches noch ein politisches Handbuch. Eher spiegeln sie eine Grundhaltung wieder, die sich durch alle Phasen konsistent durchzieht: Die durchgehende konzeptionelle Beteiligung von Jugendlichen, die Transparenz des Prozesses, die Ausrichtung auf Wirkungsmächtigkeit oder der Einsatz verständlicher Technologien gehören dazu. Das könnte man für unverbindlich halten, es ist es aber keineswegs. Die Europäische Kommission hat bereits angekündigt, das Europäische Jugendportal nach den Guidelines auszurichten. Damit ist Youthpart bereits jetzt mehr als ein Peer-Learning-Projekt, von dem im Kern die unmittelbar Beteiligten profitieren. Youthpart ist ein ambitioniertes europäisches Projekt, das Wirkung zeigt.

Und was steht nun drin in den Guidelines? Wer sich ein Bild vom Zwischenstand machen möchte, kann dies hier tun: https://dl.dropboxusercontent.com/u/26689553/Youthpart_guidelines_EN_youth_friendly_version_final.pdf

Wem Lesen nicht reicht, wer sich gerne in die Diskussion einbringen möchte, ist herzlich dazu eingeladen: https://www.facebook.com/groups/epartizipation/

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0


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