Dr. Dirk Hänisch

„Begegnung schafft Perspektiven“: Ergebnisse belegen die Wirkung internationaler Jugendbegegnungen

Die Vorstellung der Ergebnisbroschüre „Begegnung schafft Perspektiven. Empirische Einblicke in internationale Jugendbegegnungen“ am 27. Februar 2012 in der Fachhochschule Köln war eine eindrucksvolle Demonstration für die fruchtbare Verbindung von Wissenschaft und Praxis. Auf Grundlage der mittlerweile größten empirischen Datensammlung Deutschlands zu diesem Thema präsentierten Dr. Wolfgang Ilg und Judith Dubiski die vielfältigen Wirkungen internationaler Jugendbegegnungen bei den Teilnehmenden und ermöglichten damit einen Einblick in ein vitales Arbeitsfeld. Mobilität, Diversität und Identität wurden als Kernthemen für die konzeptionelle Weiterarbeit im Feld der internationalen Jugendbegegnungen identifiziert.

Judith Dubiski und Dr. Wolfgang Ilg präsentieren die Ergebnisse BildImage: Dirk Hänisch

Veranstaltet wurde die Ergebnispräsentation von der Fachhochschule Köln (Forschungsschwerpunkt Nonformale Bildung), dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW), dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und dem Projekt Freizeitenevaluation. Anlass war die Herausgabe der Publikation „Begegnung schafft Perspektiven. Empirische Einblicke in internationale Jugendbegegnungen“ (Wolfgang Ilg, Judith Dubiski. Eine Publikation des DFJW und des DPJW) in deutscher, französischer und polnischer Sprache. 


Wertvoller Meilenstein in der Erforschung der Wirkungen von Jugendbegegnungen: "„Begegnung schafft Perspektiven. Empirische Einblicke in internationale Jugendbegegnungen“


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Beitrag zur Jugendforschung und für die Praxis der Jugendbegegnungen

Prof. Dr. Andreas Thimmel (FH Köln), Stephan Erb (Geschäftsführer des DPJW) und Dr. Markus Ingenlath (Generalsekretär des DFJW) begrüßten die etwa 50 interessierten Gäste, darunter Wissenschaftler/-innen, Praktiker/-innen, Studierende und Akteure im Bereich des internationalen Jugendaustauschs. Prof. Thimmel unterstrich den Beitrag des Projekts zur wissens- und praxisbasierten Jugendforschung, hob die wissensgenerierende Funktion hervor und lobte den langen Atem der Akteure des Projekts, das seit 2006 arbeitet. Stephan Erb würdigte die Bedeutung der Ergebnisse des Verfahrens für die Praxis der Begegnungsarbeit des DPJW und Dr. Ingenlath betonte die wichtige Bedeutung einer inhaltlichen Evaluierung.

Größte Datenerhebung im deutschsprachigen Bereich

Das für alle Träger und Veranstalter internationaler Jugendbegegnungen offene Evaluationsverfahren stellten Dr. Ilg und Judith Dubiski vor. Ziel sei nicht die Definition, was eine „gute“ Begegnung ist, sondern ob die gesetzten Ziele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Begegnung erreicht wurden. Mit einem Fragebogenbestand von 5206 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und 719 Mitarbeitenden von 216 internationalen Jugendbegegnungen (deutsch-polnisch, deutsch-französisch und trilateral) verfügen die beiden Forscher über die größte Datensammlung im deutschsprachigen Bereich. Ihre Auswertungen ergaben eine Vielzahl von Aspekten und Erkenntnissen, die in der präsentierten Veröffentlichung detailliert genannt werden und von denen hier einige schlaglichtartig angeführt werden sollen: 

Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden liegt zwischen 16 und 17 Jahren, an internationalen Begegnungen nehmen mehr weibliche als männliche Personen teil und 44 Prozent sind zum ersten Mal bei einer internationalen Begegnung gewesen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an internationalen Jugendbegegnungen sind durchschnittlich 33 Jahre alt, meistens weiblich.

Mobilität – Diversität und Identität als wichtige Themenfelder

Für die konzeptionelle Weiterarbeit im Feld der internationalen Jugendbegegnungen haben die beiden Forscher drei Kernthemen identifiziert: Mobilität, Diversität und Identität. 

  • Fast die Hälfte der Teilnehmenden (46 Prozent) waren erstmals im jeweiligen Gastland. Umso bemerkenswerter ist, dass über zwei Drittel der Teilnehmenden sich nach der Begegnung vorstellen können, später auch für längere Zeit ins besuchte Partnerland zu gehen. Jugendbegegnungen leisten also einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Jugendmobilität. Ähnliches lässt sich auch über die Motivation zum Sprachenlernen berichten.
  • An Jugendbegegnungen nehmen aus Deutschland überdurchschnittlich häufig Gymnasiast(inn)en teil (58 Prozent), während etwa Hauptschüler/-innen (4 Prozent) deutlich unterrepräsentiert sind. Eine Aufschlüsselung der Fragebogenangaben nach beiden Bildungsgruppen ergeben interessante Rückschlüsse hinsichtlich der Entdeckung neuer Seiten und Fähigkeiten bei sich selbst durch die Begegnung (eher bei Hauptschüler/-innen) bzw. der Sprachbarrieren (häufiger Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse bei Gymnasiast(inn)en) – zwei von mehreren Beispielen, wie eine diversitätsorientierte Sichtweise neue Erkenntnisse befördern.
  • Bei internationalen Jugendbegegnungen machen die Jugendlichen Lernerfahrungen, die in formalen Bildungskontexten viel zu kurz kommen. Jugendbegegnungen helfen Jugendlichen, die Identität anderer Menschen aus deren kulturellem Hintergrund heraus zu verstehen (Perspektivwechsel). Das Erleben des anderen führt zur Herausbildung einer eigenen personalen Identität und zugleich zur Offenheit im Umgang mit fremden Identitäten. Auch dafür liefert die Evaluation „harte Fakten“.

Forschungsperspektiven

Ganz im Gegensatz zum formalen Bildungsbereich mit seinen zahlreichen quantitativen Großstudien fehlen vergleichbare Untersuchungen im nonformalen Bildungsbereich. Die Buchpräsentation verdeutlichte: Mit ihrem großen Datenbestand hat das Projekt ein gewisses Alleinstellungsmerkmal erworben. Die Datenmenge lässt auch Verfahren wie die Mehrebenenanalyse zu, mit der gleichzeitig Effekte auf Individual- und Gruppenebene analysiert werden können. Gleichzeitig bietet das Prinzip der vernetzten Selbstevaluation kostengünstige Synergieeffekte für Forschung und Praxis bei gleichzeitiger Beachtung von Kriterien der wissenschaftlichen Sorgfalt. Neue Felder erschließen sich durch die erstmaligen Evaluationen von Kinderfreizeiten und -begegnungen, aber auch durch die noch ausstehende Weiterentwicklung der Fragebögen in andere Sprachen. Schließlich eröffnen sich durch die Datenvielfalt und –menge Chancen zukünftiger Forschung durch Panel-Studien, d.h. durch jährliche Wiederholungsuntersuchungen einer konstanten Teilstichprobe. Diese ambitionierte Zielsetzung würde über Jahre hinweg verlässliche Entwicklungsdaten für das Feld der internationalen Jugendbegegnungen ergeben – und damit weitere wertvolle Erkenntnisse in Bereich der nonformalen Bildung sicherstellen. Die Buchpräsentation zeigte: Wissenschaftliche Begleitung ist dafür unabdingbar!

Link zur Evaluation Internationaler Jugendbegegnung: www.eijb.eu

Weiterer IJAB-Hinweis zur Publikation: hier klicken.



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