Cathrin Piesche

Im Fokus des neuen IJAB journals: Perspektivwechsel

Internationale Jugendarbeit hat sehr viel mit der Veränderung vertrauter Perspektiven und dem Einlassen auf andere Haltungen zu tun. Die aktuellen politischen Entwicklungen im Hinterkopf nähern sich die Beiträge des Fokusthemas der Frage, inwieweit ein solcher Perspektivwechsel sich positiv auf das Zusammenleben in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft auswirken kann.

BildImage: Robertba/Flickr   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – keine Bearbeitung CC BY-NC-ND 3.0

Manchmal sind wir erstaunt, wie anders etwas aussieht, wenn wir es aus einer ungewohnten Position heraus wahrnehmen. Ein solcher Perspektivwechsel ermöglicht nicht nur, neue Seiten an  vertrauten oder unterschiedliche Facetten an uns unbekannten Dingen und Situationen zu entdecken, sondern fordert  uns auch heraus, die eigene Sichtweise zu reflektieren, zu überdenken und gegebenenfalls neu zu bewerten.

Internationale Jugendarbeit hat sehr viel mit der Veränderung vertrauter Perspektiven und dem Einlassen auf andere Haltungen zu tun. Die aktuellen politischen Entwicklungen im Hinterkopf – wie zum Beispiel steigende Migrationszahlen, Polarisierung der Gesellschaft und vermehrt nationalistische Tendenzen – nähern sich die Beiträge unseres Fokusthemas der Frage, inwieweit ein solcher Perspektivwechsel sich positiv auf das Zusammenleben in einer  zunehmend vielfältigen Gesellschaft auswirken kann.

Den Auftakt macht Prof. Dr. Peter Nick von der Hochschule Kempten. Er beschäftigt sich mit der Bedeutung von „Fremdheit“ und erklärt die Eigenschaften interkultureller Kompetenzen, die für das Leben in einer Migrationsgesellschaft wesentlich sind. Noch einen Schritt weiter geht Dr. Jens  Schneider, Migrationsforscher an der Uni Osnabrück. Er hält es für an der  Zeit, „Deutschsein“ neu zu definieren und sich auf die kommende Superdiversität unserer Gesellschaft einzustellen. Eine andere Blickrichtung bringt Prof. Dr. Werner Patzelt mit. Der streitbare Professor der Uni Dresden erläutert, weshalb seiner Meinung nach Ressentiments und Fremdenfeindlichkeit in den östlichen Bundesländern stärker ausgeprägt sind als in den alten Bundesländern. Martin Patzelt, ehemaliger Oberbürgermeister von Frankfurt/Oder und Abgeordneter des Bundestags, ist überzeugt, dass eine andere Perspektive einzunehmen dabei hilft, Ängste zu verlieren und neue Lösungen zu finden – was er ganz praktisch bei seinem Einsatz für Geflüchtete erlebt. Die  Leiterin von ConAct, Christine Mähler, beschreibt in ihrem Beitrag eindrucksvoll, wie stark die deutsch-israelische Zusammenarbeit gekennzeichnet ist durch vorgefertigte Sichtweisen sowie deren Reflektieren und Aufbrechen durch die Jugendlichen. Dies spiegeln auch zwei Schilderungen junger israelischer Freiwilliger wider, die für ihren Freiwilligendienst nach Deutschland gekommen sind. Einen Blick von außen schließlich erhalten wir noch durch Stavroula Gatsou und Giota Gatsi, die in Griechenland mit jungen Geflüchteten arbeiten.

„Nachgefragt“ haben wir diesmal bei unseren Partnern im In- und Ausland. Uns interessierte ihre Einschätzung dazu, wie sich die derzeitigen politischen Entwicklungen in Europa auf den Jugendaustausch und die jugendpolitische Zusammenarbeit auswirken. In der Rubrik „Internationale Zusammenarbeit“ gibt es zwei spannende Entwicklungen: Kurz vor Drucklegung  dieses Heftes stand das „Jugendwerk des Westbalkans“ vor Unterzeichnung einer Gründungsvereinbarung und das Bundesministerium für Wirtschaftliche  Zusammenarbeit und Entwicklung  (BMZ) startete die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative und eine neue Förderlinie für außerschulische Begegnungsprojekte im Kontext der Agenda 2030.

Unter der Überschrift „Internationale  Jugendarbeit weiterentwickeln“ finden Sie diesmal Neuigkeiten zur Jugendpartizipation, zur Internationalisierung von Organisationen sowie zum Thema Anerkennung. Das Heft schließt wie gewohnt mit aktuelle Ergebnissen und Entwicklungen  aus der Internationalen Jugendarbeit,  darunter ein Bericht über das 20-jährige Bestehen von Eurodesk Deutschland.

>> Zum Download oder Bestellung der neuen Ausgabe des IJAB journals

[Aus dem Editorial von Marie-Luise Dreber, Direktorin von IJAB]



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