Yasmin Janclaes

„Europa positiv denken!“ – AGJ-Vizevorsitzender Mike Corsa spricht auf DJHT

Zu Beginn des 16. Kinder- und Jugendhilfetages hat Mike Corsa, stellvertretender Vorsitzender der AGJ, einen "europapolitischen Zwischenruf" eingeworfen. Für ein Europa als Werte- und Friedensgemeinschaft.

Mike Corsa
Mike Corsa BildImage: Christian Herrmann

Schwierige Zeiten für Europa: Der Staatenverbund sieht sich konfrontiert mit den Folgen der Flüchtlingskrise und einer hohen Jugendarmut und -arbeitslosigkeit in einigen Mitgliedsstaaten. Zeitgleich kommen von innerhalb und außerhalb der EU populistische Stimmen. Großbritannien strebt nun den Brexit an.

Mike Corsa hat die Antisympathien gegen Europa zu Beginn des 16. Kinder- und Jugendhilfetages in einem emotionalen Vortrag aufgegriffen. Der stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe sprach sich anlässlich der Eröffnungsveranstaltung des europäischen Fachprogramms für den Erhalt und die Weiterentwicklung der EU als Werte- und Friedensgemeinschaft aus. Der Beitrag lehnte sich an ein Positionspapier der AGJ an, das am 27. März veröffentlicht wurde. Der "Europapolitische Zwischenruf" kann auf der Webseite der AGJ heruntergeladen werden.

„Die Europäische Union ist ein Friedensprojekt“

Zur Einstimmung zeigten die Veranstalter Ausschnitte eines Filmprojekts „Vores Europa“ der dänischen Filmemacher Peter Laugesen und Elena Askløf. Ein Film, der junge Menschen aus ganz Europa porträtiert, die mit Problemen wie Jugendarbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Armut zu kämpfen haben. Der bleibende Eindruck ist dennoch ein positiver. Es gibt keine „Lost Generation“, wie die junge europäische Generation bezeichnet wird. Vielmehr werden die Staaten in der Verantwortung gesehen, auf die bestehenden Probleme zu reagieren und Lösungen zu finden.

So auch die Forderungen von Corsa. Nach über 500 Jahren von Krieg und Vernichtung habe erst Europa – das heißt die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und die daraus entstandene Europäische Union – den Menschen Frieden gebracht. Errungenschaften der EU, wie Demokratie und gelebte Vielfalt ständen nun aber „am Scheideweg“, so Corsa. Bei zunehmendem Populismus gepaart mit Geschichtsvergessenheit ist es dem AGJ-Vizevorsitzenden zufolge wichtig, das Erreichte zu sichern und stellenweise weiterzuentwickeln und so zu verbessern.

Einen gemeinsamen Gründungsmythos schaffen

Als mögliche Weiterentwicklungen des europäischen Selbstverständnisses sieht Corsa die Kommunikation und Bekennung zu gemeinsamen Werten. Es brauche eine kollektive Sprachfähigkeit, die verdeutliche „was es bedeutet, Europäer/-in zu sein.“ Im Feld der Kinder- und Jugendhilfe brauche es darüber hinaus eine jugend- und bildungspolitische Agenda. Europa müsse kind- und jugendgerechter werden und brauche eine starke Jugendpolitik.

Ein demokratischeres und partizipativeres Europa. Erreicht werden könne das durch einen gemeinsamen Aktionsplan Demokratie, der europäische Werte besser vermittle und in den Gesellschaften spürbar werden lässt. Corsa sprach sich zudem für ein inklusives und vielfältiges Europa aus. Das Wohlbefinden junger Menschen solle nicht von ihrem Geburtsort abhängen. Ihnen allen sollten die gleichen Möglichkeiten zustehen, die EU zu erfahren, zu bereisen und anderen europäischen Jugendlichen zu begegnen.

Folge dieser Weiterentwicklungen der europäischen Agenda im Bereich der Jugendhilfe und -politik wäre ein positiver gedachtes Europa. Eine Voraussetzung dafür? Jeder müsse „aus dem Sessel des Wohlstandes aufstehen“ und selbst etwas bewegen.

Europa-Fachprogramm auf dem DJHT

Auch dieses Jahr umfasst der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag einen europäischen Schwerpunkt: Unter dem Slogan „europe@djht“ haben AGJ und JUGEND für Europa das Fachprogramm „Creating a social and fair Europe for all young people“ organisiert. Es umfasst etwa 30 Veranstaltungen. Außerdem gibt es einen „Marktplatz Europa“ in der Messehalle 3.



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