Stephanie Bindzus

Internationaler Austausch muss selbstverständlicher Teil schulischer Bildung werden

Jeder junge Mensch sollte die Möglichkeit erhalten, eine Auslandserfahrung zu machen! Das ist das zentrale Anliegen der Konferenz „Austausch macht Schule“, die am 29./30. September 2015 in Berlin stattgefunden hat. Die stärkere Zusammenarbeit von Schule und außerschulischer Jugendarbeit trägt hierzu bei.

Eröffnungspodium mit Udo Michallik, Dr. Sigrid Heinecke, Caren Marks, Helga Wendland und Michael Schwarz
Eröffnungspodium mit Udo Michallik, Dr. Sigrid Heinecke, Caren Marks, Helga Wendland und Michael Schwarz BildImage: Franz Brück

Dass Jugendliche von pädagogisch begleiteten Auslandserfahrungen profitieren ist bekannt und durch Studien belegt. Zusätzliche Aktualität gewinnt das Anliegen der Initiative „Austausch macht Schule“ durch den derzeitigen Zuzug von Flüchtlingen aus Krisenregionen. Die deutsche Gesellschaft ist aufgefordert, sich stärker international zu öffnen und eine große Integrationsleistung zu vollbringen. Dies stellt das Bildungssystem vor große Herausforderungen, birgt aber auch Chancen. Schule wird internationaler, Lehrerinnen und Lehrer brauchen interkulturelle Kompetenzen. In dieser Situation kann der internationale Jugendaustausch zu mehr Offenheit, Toleranz sowie diversitätsbewusstem Handeln und Denken von Jugendlichen und Lehrkräften beitragen.

Doch wie kann es gelingen, Jugendaustausch in der schulischen Bildung fest zu verankern? Welches sind die größten Herausforderungen? Darüber traten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz in Berlin dann auch gleich selber in einen interkulturellen Dialog: Die 160 Expertinnen und Experten aus Schule, Ministerien, außerschulischer Bildung, Kultusministerkonferenz und Zivilgesellschaft brachten sehr vielfältige Perspektiven ein, diskutierten lebhaft und suchten in mehreren Arbeitsrunden gemeinsam Lösungsansätze.

Zum Auftakt hob Caren Marks, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesjugendministerin, hervor, weshalb sich die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure lohnt: „Die größten Gewinner einer solchen Zusammenarbeit zwischen Schulen und außerschulischen Partnern sind die Jugendlichen: Ihnen eröffnen sich mehr Chancen auf Austausch und Begegnung und sie erhalten ein Bildungsangebot, das ihnen wichtige Lern-, Erlebnis- und Erfahrungsräume für die Identitätsentwicklung eröffnet“. Rückenwind gab es auch von Udo Michallik, Generalsekretär der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder, der sich selbst als „Austauschjunkie“ bezeichnete. Er unterstütze die Vision eines Austausches für jeden jungen Menschen, betonte aber, dass auch die Qualität des Austauschs sichergestellt werden solle.

Nach den Eingangsstatements waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt. In Arbeitsgruppen, die Vertreter/-innen der unterschiedlichen Richtungen zusammenbrachten, wurden die größten Herausforderungen für den internationalen Austausch in der Schule und die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern identifiziert und Lösungsansätze skizziert, die anschließend in Fachgruppen vertieft wurden. Kurze Einlagen eines Improvisationstheaters halfen dabei auf erfrischende Weise, den eigenen Blickwinkel immer wieder zu öffnen, neue Zusammenhänge zu entdecken und die ein oder andere Phrase zu entlarven.

Am Ende des zweiten Konferenztages hatten sich die drängendsten Punkte herauskristallisiert, die in einer Erklärung zusammengefasst wurden:

  • Internationaler Austausch darf keine Eliteveranstaltung bleiben, sondern muss sich neuen Zielgruppen öffnen. Haupt-, Berufs- und Realschüler/innen, Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf sind im internationalen Austausch bisher deutlich unterrepräsentiert.
  • Der Weg in die Zukunft braucht Bündnisse von Partnern in allen Bereichen der schulischen und außerschulischen Bildung. Die Initiative „Austausch macht Schule“ ist die Plattform für die Vernetzung der Akteure, die verstetigt und ausgebaut werden soll.
  • Auch die jungen Menschen selbst sollen die Austauschprogramme aktiv gestalten und als Botschafterinnen und Botschafter für internationale Programme wirken.
  • Gleichzeitig muss die Internationalisierung in der Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern verankert werden.
  • Um dies zu erreichen, sind eine bessere finanzielle Unterstützung und qualitative Rahmenbedingungen unabdingbar.

Dass der Dialog geglückt ist, zeigte sich nicht nur in den vielen intensiven Gesprächen während und außerhalb der Arbeitsphasen und der Leidenschaft, mit der sich alle Beteiligten in die Konferenz einbrachten. Für die Initiatoren steht fest, dass sie sich weiter gemeinsam für das Thema stark machen, die Plattform weiter ausbauen und an der Umsetzung der Ziele arbeiten. IJAB-Direktorin Marie-Luise Dreber bot dafür in der Abschlussrunde unter anderem an, Angebote der Fachstelle wie Mobilitätslotsenschulungen, Förderberatung, Qualifizierung und Arbeitshilfen einzubringen und kündigte ein „Anerkennungsbündnis“ an, das dem internationalen Jugendaustausch zu mehr Wertschätzung und Anerkennung verhelfen soll. Sie betonte, dass im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses formale und nicht formale Bildung sowie informelles Lernen gleichermaßen wichtig für die Entwicklung junger Menschen sind.

Die Sächsische Staatsministerin für Kultus und Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Brunhild Kurth, machte in ihrem Schlusswort deutlich, wie wichtig ihr der internationale Jugendaustausch ist und sagte zu, die Ergebnisse mit in die Kultusministerkonferenz zu nehmen.

„Austausch macht Schule“ ist eine Gemeinschaftsinitiative von: ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch, Deutsch-Französisches Jugendwerk, Deutsch-Polnisches Jugendwerk, IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V., Pädagogischer Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz, Robert Bosch Stiftung, Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Zahl der Partner bei „Austausch macht Schule“ um Akteure aus der außerschulischen internationalen Jugendarbeit vergrößert. An der Konferenz waren außerdem einzelne Vertreterinnen und Vertreter der Kultusministerien und Senatsverwaltungen der Länder beteiligt.

Weitere Informationen: www.austausch-macht-schule.de, auf Facebook oder Twitter.



Eindrücke von der Tagung "Austausch macht Schule", Berlin 2015

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