Katrin Schauer

Trainingsseminar „Deutsche Sprache und Jugendhilfe“ qualifiziert Fachkräfte

Als Kombination aus Sprach-, Fach- und Landeskundeseminar leistet das Internationale Trainingsseminar „Deutsche Sprache und Jugendhilfe“ einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung von Fachkräften der internationalen Jugendarbeit.

Vernetzung praktisch
BildImage: Elke Metzner / IJAB

Interkulturelles Lernen, internationale Verständigung und die Förderung eines Netzwerks internationaler Kontakte für die deutsche Jugendarbeit sind leitende Ziele.  Das Seminar fand im letzten Jahr vom 17.4. bis 15.5.2010 in Kooperation mit dem Sprachinstitut Tübingen (SIT) statt. Dort beteiligten sich 18 ausländische Fachkräfte aus zehn Ländern. In Kürze steht wieder die Ausschreibung eines neuen Trainingsseminars in Tübingen an.

Schwerpunkte

Einen Schwerpunkt bildet das Erlernen der deutschen Sprache. Erreicht werden soll ein sprachliches Niveau, das den Niveaustufen A1 und A2 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) entspricht. Damit wird die Grundlage geschaffen und die Motivation gefördert, die fremdsprachlichen Deutschkenntnisse weiter auszubauen und ggf. während internationaler Begegnungen mit Deutschland anwenden zu können. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Vermittlung von Kenntnissen über die Jugendarbeit in Deutschland. Durch Einführungen in die Strukturen und Aufgaben der deutschen Kinder- und Jugendhilfe sowie durch Fachbesuche bei Einrichtungen der Jugendhilfe im Großraum Tübingen lernen die ausländischen Fachkräfte das deutsche Jugendhilfesystem kennen. Die Fachbesuche führen zum Vergleich mit der Situation in den Herkunftsländern, was vielfältige Anlässe bietet für einen fachlichen und internationalen Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

Einführungstreffen

Bei jedem Sprachkurs ist ein Einführungstreffen am ersten Seminartag vorgesehen. 2010 machte aber der Vulkan Eyjafjallajökull mit seiner Flugasche einen Strich durch die ursprüngliche Planung, denn zahlreiche Teilnehmende verspäteten sich mit ihrer Ankunft und der ursprüngliche Terminplan kam ins Rutschen. Doch dadurch ließ sich das Trainingsseminar nicht stoppen: Improvisierungen waren notwendig, um das Programm in modifizierter Form anzubieten und durchzuführen – was schließlich auch gelang.

Die Einführungsveranstaltung mit allgemeinen Informationen bietet in der Regel eine erste Orientierungshilfe, um das Einleben in der deutschen Gastfamilie, dem Sprachinstitut Tübingen und in Deutschland zu erleichtern. Zwei IJAB-Mitarbeiterinnen vermitteln in einer englischen und russischen Sprachgruppe wichtige landeskundliche und interkulturelle Informationen für den Aufenthalt in Deutschland. Die Teilnehmenden stellen sich gegenseitig vor und schildern ihre Tätigkeiten in der Jugendhilfe. Darauf wurde trotz der knapp bemessenen Zeit auch 2010 nicht verzichtet.

Sprachunterricht

Diejenigen Fachkräfte, die während der ersten Woche 2010 eintrafen, begannen sofort mit dem ihrem Deutschunterricht. Für die meisten Teilnehmer/-innen verkürzte sich der Unterricht durch die verspätete Anreise allerdings um eine Woche. Das Seminar war ursprünglich nur für Null-Anfänger/-innen ausgeschrieben; aber seit 2008 werden auch regelmäßig Anfänger/-innen mit geringen Vorkenntnissen einbezogen. Das tatsächliche sprachliche Niveau der Teilnehmenden im vergangenen Jahr reichte allerdings von keinen Deutschkenntnissen bis zum Niveau B2 des GER. Eine Aufteilung in drei Sprachniveaugruppen erschien somit als sinnvoll. Trotz der Aufgliederung entwickelte sich innerhalb der Teilnehmerschaft ein starker Zusammenhalt.

Fachprogramm

Den Auftakt der Fachbesuche bildet die erlebnispädagogische Exkursion. Sie begünstigt die Entwicklung des Gruppenzusammengehörigkeitsgefühls. Im letzten Jahr übernahm diese Exkursion auch die Funktion eines ersten Kennenlernens. Eine wichtige Voraussetzung für die Fachbesuche ist stets die englisch- und russischsprachige Einführung in die Kinder- und Jugendhilfe. Sie liefert einen allgemeinen Überblick und ein besseres Verständnis für das deutsche Jugendhilfesystem, das sich teilweise stark von demjenigen der Herkunftsländer der Teilnehmenden unterscheidet. Es folgt eine Einführung in die für Tübingen spezifischen Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe sowie anschließend die Vorstellung der Einrichtungen der Jugendhilfe, die als Teil des Fachprogramms besucht werden. Die ausländischen Fachkräfte können sich entsprechend ihrer Interessen und Vorlieben ein Fachbesuchsprogramm zusammenzustellen.

Drei Teilnehmende haben jedes Jahr zusätzlich die Gelegenheit, bei Trägern der Jugendhilfe in Tübingen und Umgebung in einer zusätzlichen Woche zu hospitieren. Das waren 2010 der Mädchentreff Tübingen, die Jugendkunstschule Tübingen, der CVJM Stuttgart und die Waldorfschule Tübingen. Die Hospitant(inn)en haben damit die Chance, einen vertieften und praxisnahen Einblick in die Arbeit einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe zu bekommen. Im Gegenzug profitieren die jeweiligen Einrichtungen von der Mitarbeit der Teilnehmenden und dem fachlichen Austausch.

Erfahrungen und Ergebnisse

Die Erfahrungen und Ergebnisse des letztjährigen Trainingsseminars wurden miteinander – d.h. mit den Teilnehmenden, den Beteiligten des SIT und den das Fachprogramm betreuenden Sozialpädagog(inn)en – ausgetauscht. Die Teilnehmenden wurden darüber hinaus um eine abschließende schriftliche Evaluation gebeten. Die Lehrer/-innen des Sprachinstituts unterstrichen besonders das positive Sozialverhalten in der Gruppe sowie die große Lernbereitschaft und beschrieben die ausländischen Fachkräfte als motiviert.

Obwohl die meisten Teilnehmer/-innen nur drei Wochen Deutschunterricht hatten, konnten trotzdem alle ein Zertifikat mit mindestens Niveau A1 erhalten. Das belegt nicht nur die hohe Motivation der Fachkräfte, sondern unterstreicht auch für die Qualität des Sprachunterrichts am SIT. Erfreulicherweise gaben mit einer Ausnahme alle Teilnehmenden an, nach Rückkehr in ihr Heimatland weiter Deutsch lernen zu wollen.

Neben dem Sprachunterricht war besonders das Fachprogramm mit seinen Fachbesuchen Gegenstand der Evaluation. Laut eigener Aussagen dienten viele Methoden der Jugendarbeit, die die Teilnehmenden während der Fachbesuche kennen lernten, als wichtige Anregung für die eigene Arbeit. Darüber hinaus fühlten sich die ausländischen Fachkräfte nach Beendigung des Seminars gut über deutsche Jugendarbeit und Organisationsformen informiert. Die Evaluationsergebnisse zeigten ferner, dass viele Teilnehmende sich anlässlich des Kurses verstärkt in der internationalen Jugendarbeit engagieren wollen.

Anlässlich der unvorhersehbaren Begleitumstände und der Verkürzung des Programms von vier auf drei Wochen wurde verständlicherweise von den ausländischen Fachkräften eine gewisse Überfrachtung des Programms kritisiert. Zugleich bestand deshalb auch zu wenig Zeit, sich untereinander kennen zu lernen.

Schlussfolgerungen und Perspektiven

Neben dem Spracherwerb und dem Kennenlernen von Theorie und Praxis der deutschen Kinder- und Jugendhilfe leistet das Internationale Trainingsseminar einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des gegenseitigen Verständnisses. Es ist eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche internationale Zusammenarbeit und beeinflusst letztlich auch das Deutschlandbild positiv bei zukünftigen und gegenwärtigen Fachkräften.

Um in Zukunft die Kontakte und den Austausch für alle Beteiligten zu intensivieren, soll künftig ein webbasiertes IJAB-Alumni-Netzwerk entstehen, das die ehemaligen Teilnehmenden enger an IJAB heranführt.

Ansprechpartnerinnen bei IJAB:

Elke Metzner: metzner@DontReadMeijab.de
Katrin Schauer: schauer@DontReadMeijab.de



Begleiten Sie uns

RSS-Feed abonnieren IJAB auf Facebook IJAB-Alumni-Gruppe auf Facebook IJAB auf Twitter IJAB auf YouTube

Newsletter