Christian Herrmann

Aktionstag International: Wir brauchen mehr Geld

Der Internationalen Jugendarbeit im Vorfeld der Bundestagswahlen und im Hinblick auf mögliche Koalitionsverhandlungen die Aufmerksamkeit der Politik zu sichern, das war Ziel des „Aktionstags International“ am 8. Juni gewesen. Jugendliche und Trägervertreter/-innen hatten dazu Bundestagsabgeordnete in ihren Wahlkreisbüros besucht. Am 13. Juni 2017 wurde beim „Politik-BBQ“ Bilanz gezogen. Die wichtigste Forderung: Internationale Jugendarbeit muss besser finanziell ausgestattet werden.

Fünf Menschen posieren vor der Kamera
Die Teilnehmenden des Politik-BBQs am 13. Juni präsentieren noch einmal die Forderungen, die sie am 8. Juni den Abgeordneten ihres Wahlkreisbüros überreicht haben. BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0

„Jugendherberge, das ist mehr als Bett und Frühstück“, so begrüßte am 13. Juni Bernd Dohn, Geschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerks, die Teilnehmenden des Politik-BBQs in der Jugendherberge am Berliner Ostkreuz. Die Jugendherberge am Ostkreuz ist das neue Schmuckstück im Portfolio des Jugendherbergswerks. Dass Dohn Recht hat, das belegte das Politik-BBQ.

Gekommen waren etwa 40 Aktive der Internationalen Jugendarbeit, Jugendliche, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Büros von Abgeordneten des Deutschen Bundestages, sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und bundeszentralen Verbänden und Fachorganisationen. Viele von Ihnen hatten zuvor am „Aktionstag International“ teilgenommen.

Im direkten Kontakt mit der Politik

Der Aktionstag war dem BBQ am 8. Juni vorausgegangen. Koordiniert vom von IJAB initiierten Aktionsbündnis Anerkennung International hatten Jugendliche, die an internationalen Begegnungen teilgenommen haben, gemeinsam mit Trägern der Internationalen Jugendarbeit Bundestagsabgeordnete in ihren Wahlkreisbüros besucht und geschildert, was Begegnungen über Ländergrenzen hinweg bewegen. 32 Besuche in Wahlkreisbüros waren auf diesem Weg zustande gekommen – angesichts der kurzen Vorbereitungszeit eine positive Bilanz.

Ob es kulturweit in Aachen, die Falken in Dortmund, die Robert Bosch Stiftung in Mosbach oder die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste in Berlin waren, in 11 Bundesländern wurde die Internationale Jugendarbeit engagiert beworben und das Gespräch mit Bundestagsabgeordneten gesucht. Eindrücke von den Besuchen wurden in sozialen Medien – vor allem Facebook, Twitter und Instagram – gepostet und über eine Social Media Wall unter dem Hashtag #internationalheart zusammengeführt.

Für die Jugendlichen Selina Kinne und Canar Yilmaz war der Besuch bei den Abgeordneten ein positives Erlebnis. „Es heißt ja, Jugendliche hätten immer weniger Vertrauen in die Politik. Direkte Kontakte können daran etwas ändern“, so schilderte Canar seine Eindrücke beim BBQ. Er wünscht sich mehr Informationen darüber, was Jugendliche zwischen Schule und Ausbildung machen können. Eine Stelle als „Bufti“ beim Deutschen Jugendherbergswerk zu finden, dafür habe er „recherchieren müssen, wie für eine Klausur“. Auf internationale Angebote ist er bei seiner Recherche gar nicht gestolpert. Mehr Information und Beratung zu Angeboten der Internationalen Jugendarbeit waren daher eine zentrale Forderung beim Aktionstag und der Auswertung beim Politik-BBQ.

Mehr Geld in die Hand nehmen

Die wichtigste Forderung richtet sich jedoch auf die finanzielle Ausstattung Internationaler Jugendarbeit. Prof. Dr. Andreas Thimmel von der Technischen Hochschule Köln wurde deutlich: „Am Sonntag erzählen Politikerinnen und Politiker, wie toll internationaler Austausch ist, am Montag bekommen Schule und Hochschule das Geld, weil Politik nur diese Orte als Bildung fassen kann.“ Wie die nötigen Ressourcen in Umlauf gebracht werden sollen, darüber wurde lebhaft diskutiert. Während der Vorbereitungen zum Aktionstag war ein „Mobilitätsgutschein“ ins Spiel gebracht worden, den Jugendliche bei einem Träger ihrer Wahl einlösen können sollen, um an einem Austausch, einem Freiwilligendienst oder an einem Workcamp teilnehmen zu können. Tobias Köck vom Deutschen Bundesjugendring hatte dazu zumindest „viele Fragen“, zum Beispiel die, bei wem der Gutschein eingelöst werden soll.

Warum mehr Geld nötig ist, daran bestanden beim BBQ jedoch keine Zweifel. IJAB-Vorsitzender Lothar Harles erinnerte an das breite Feld politischer Bildung, das Internationale Jugendarbeit bearbeiten kann und muss: Demokratie versus autoritäre Gesellschaftsentwürfe, kriegerische Konflikte – wie aktuell in der Ukraine – und die drohende Zersplitterung Europas. Internationale Jugendarbeit wird gebraucht, um junge Menschen in den Stand zu versetzen, eine Haltung zu Krisen und Konflikten zu finden und ihnen eine Zukunft als Weltbürgerinnen und Europäer zu ermöglichen. Wer darüber hinaus noch die jungen Menschen erreichen möchte, denen nicht ohnehin schon durch ihre Elternhäuser eine internationale Perspektive eröffnet wird, der muss mehr Geld in die Hand nehmen.

Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0


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