Verena Münsberg

Botschafter in eigener Sache – Nachwuchsjournalisten berichten über ihre Mobilitätserfahrungen in Europa

Was macht Europa eigentlich mit jungen Menschen? Welche Einflüsse hat Brüssel auf ihre Lebenswirklichkeit? 15 junge Medienschaffende aus Bayern fragen nach: Sie touren auf Initiative des Bezirksjugendrings Oberbayern von München nach Brüssel, sprechen mit Jugendlichen und Jugendredaktionen, mit Politikern und Interessenvertretern. Die Antworten präsentieren sie in Zeitungsartikeln, Blogbeiträgen oder Videoclips – und zeigen damit auch, wie wertvoll grenzüberschreitende Lernerfahrungen sind. Tom Muhr, Geschäftsführer des BezJR Oberbayern gibt uns im Interview Einblicke in das Projekt.

Speed-Dating beim Vorbereitungstreffen von „Europe to go“
Speed-Dating beim Vorbereitungstreffen von „Europe to go“ BildImage: Bezirksjugendring Oberbayern

Herr Muhr, worum geht es in Ihrem Projekt „Europe to go“?

Tom Muhr: In Bayern sind zahlreiche junge, sehr kreative Medienschaffende einzeln oder in Gruppen aktiv. Sie schreiben in Tageszeitungen und Schülerzeitungen, machen Jugendradio, bloggen auf Onlineplattformen oder produzieren Filme für Youtube und partizipieren damit am politischen und gesellschaftlichen Diskurs. Unser Projekt möchte drei Dinge erreichen: Erstens wollen wir diese Nachwuchsjournalisten vernetzen und weiter qualifizieren, zweitens wollen wir Europa als positiv besetztes Thema in den Mittelpunkt rücken und drittens die Bedeutung internationaler Lernerfahrungen sichtbar machen. Schon im Vorbereitungstreffen mit den Jugendlichen wurde deutlich, dass sie ein sehr positives Bild von Europa haben. Junge Menschen begreifen Europa als Chance, aber sie machen sich große Sorgen, wie zurzeit mit diesen Chancen umgegangen wird. Ziel unserer jungen Medienschaffenden ist, auf Europe to go kritisch nachzufragen, wie das gemeinsame Haus Europa zukunftssicher gemacht werden kann.

Ihren drei Zielen wollen Sie sich auf einer Busreise von München nach Brüssel nähern. Erzählen Sie uns, was auf dieser Tour geplant ist!

Tom Muhr: Wir reisen mit 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die alle bereits regelmäßig in unterschiedlichen Medienformaten journalistisch tätig sind. Unser Reisebus mit Besprechungsinseln, Konferenztisch und technischer Ausstattung dient uns als mobiles Studio, in dem Gäste interviewt, Beiträge geschnitten und die Blogs mit Leben gefüllt werden können. Dabei beraten sich die Jugendlichen peer to peer zu Recherchearbeit und Technik, bekommen aber auch fachliche Unterstützung von einem Journalisten und zwei Medienpädagoginnen. Stationen unserer Reise sind Nürnberg, Würzburg, Bonn, Maastricht und schließlich Brüssel. Bereits während der Reise werden die Jugendlichen auf unterschiedlichen Kanälen zielgruppengerecht von ihren Erfahrungen berichten: Schließlich wissen sie am besten, was Jugendliche interessiert.

Also ein Road Trip durch drei europäische Länder. Wen treffen die Jugendlichen unterwegs?

Tom Muhr: Im Mittelpunkt unserer Reise steht die Frage, wie Europa das Leben von Jugendlichen berührt, wie Jugendliche Europa erleben und wie sie mit europäischer Politik klarkommen. Also fragen wir dort nach, wo Jugendliche sind: In Nürnberg reden wir mit Vertretern der europäischen Metropolregion. In Bonn treffen wir das Pressenetzwerk für Jugendthemen, die Redaktionen der Youthreporter und von rausvonzuhaus.de. Außerdem wollen wir Vertreter von EU-Organisationen zum Gespräch einladen. In Maastricht steht eine neue Herausforderung auf der Agenda: Die Jugendlichen arbeiten in einer Fremdsprache, gehen auf die Straße und fragen in dieser jungen, studentisch geprägten Stadt: Was bedeutet Jung sein in Europa? Ziel unserer Reise ist Brüssel. Hier gibt es Hintergrundgespräche mit Vertretern von Jugendorganisationen und mit Politikern– wir wollen europäische Politik als ein bestimmendes Element des eigenen Handelns erlebbar machen.

Am Ende der Reise steht eine hochrangig besetzte Veranstaltung in der Bayrischen Landesvertretung in Brüssel. Was passiert dort?

Tom Muhr: Der Bayrische Jugendring lädt am 30. Mai unter dem Motto „Auf dem Schirm: Jugendliche gestalten Europa mit“ zur Diskussion mit Vertretern des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission ein. Unsere Gruppe wird zum einen die Erfahrungen und Eindrücke der Reise präsentieren und mitdiskutieren, zum anderen die Veranstaltung journalistisch begleiten und öffentlichkeitswirksam über unterschiedliche Kanäle verbreiten.

Die Jugendlichen machen also vielfältige Erfahrungen. Sie lernen voneinander, überschreiten Grenzen, arbeiten im Ausland, erleben Europa hautnah. Welche Impulse kann das Projekt aus Ihrer Sicht für die gesellschaftliche Anerkennung internationaler Jugendarbeit geben?

Tom Muhr: Die internationale Jugendarbeit muss ihre vielfältigen Bildungswirkungen viel stärker nach außen tragen und deshalb über den Kompetenzerwerb bei grenzüberschreitenden Mobilitätserfahrungen auch professionell berichten. In unserem Projekt sorgen zum einen die Jugendlichen selbst dafür, indem sie über ihre Erfahrungen schreiben, bloggen oder filmen. Zum anderen gehen wir mit politischen Entscheidern ins Gespräch und machen hier auch auf die gesellschaftliche Relevanz internationaler Mobilitätserfahrungen aufmerksam. Nur wenn wir die Ergebnisse unserer Arbeit bei möglichst vielen Akteuren sichtbar machen, schaffen wir eine breite Anerkennung für unser Arbeitsfeld.

Mehr Informationen zum Projekt: http://jugend-oberbayern.de/?p=7305



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