Christian Herrmann

Internationale Jugendarbeit soll sichtbarer werden

Die Träger Internationaler Jugendarbeit wünschen sich mehr Anerkennung für ihre Arbeit. Voraussetzung dafür ist, dass der Wert von Begegnung und Austausch für Jugendliche und die Gesellschaft sichtbarer wird. Dazu gehören der zeitgemäße Umgang mit Medien und ein gemeinsames Vorgehen in der Öffentlichkeitsarbeit. Ein Fachtag des „Aktionsbündnisses Anerkennung International“ hat sich mit beiden Herausforderungen beschäftigt.

zwei Männer hören zu
BildImage: Christian Herrmann   Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0

Anne Sorge-Farner von IJAB, die Organisatorin des Fachtags, freut sich. Mehr Teilnehmer/-innen, als sie in der Vorweihnachtszeit erwartet hat, haben sich angemeldet und sind am 12. und 13. Dezember nach Berlin gekommen. So ganz verwunderlich ist die Resonanz vielleicht doch nicht. Jugendarbeit hat sich lange mit neuen Medien schwer getan – die Internationale Jugendarbeit bildet da keine Ausnahme. Über Jahre haben Jugend- und Datenschutzdiskussionen dazu beigetragen, zu glauben, neue Medien seien etwas für Medienpädagogen und Jugendschützer. Jetzt wird der Druck durch gewerbliche Anbieter spürbar und der Nachholbedarf ist groß.

Soziale Medien: Auf das Jetzt kommt es an

Jürgen Ertelt hat die Diskussion um die Nutzung sozialer Medien in der Jugendarbeit nicht nur seit Jahren begleitet, er hat sie auch aktiv geprägt. Über Facebook und Twitter hat er eine hohe Reichweite aufgebaut und gibt in seinem Impulsreferat Hinweise darauf, wie andere das auch erreichen können. „Das Jetzt ist entscheidend“, sagt Ertelt. Warten Sie mit der Berichterstattung nicht erst, wenn Sie wieder im Büro sind. Sie haben alle ein Smartphone. Machen Sie Fotos, posten Sie sie, schreiben sie etwas über das was gerade geschieht.“ Ertelt empfiehlt einen Rucksack, gepackt mit den nötigen Utensilien für Online-Berichterstattung. Persönliche Ansprache hält Ertelt in sozialen Medien für entscheidend. Dazu gehört auch die Aufweichung der einst scharf gezogenen Grenzen zwischen öffentlicher und privater Person. „Posten Sie ruhig Inhalte mit Katzen“, rät Ertelt und zeigt ein paar Beispiele dafür, die Heiterkeit auslösen.

In den darauffolgenden Workshops mutet Social-Media-Berater Sebastian Jabbusch seinem Publikum einiges zu. „Ich habe mir mal die Website eines Trägers der Internationalen Jugendarbeit angeschaut und gezählt, wie viele Navigationsmöglichkeiten mir angeboten werden. Ich bin auf 128 gekommen“, berichtet Jabbusch. Er zeigt alternativ dazu die Seite eines gewerblichen Anbieters für Jugendreisen. Sie ist deutlich übersichtlicher. „Was glauben Sie, wo ein Nutzer schneller fündig wird?“, fragt er.

Online-Kampagnen: Erfolg durch gemeinsames Handeln

Tanja Föhr beschäftigt sich in ihrem Workshop mit Veränderungen in der Organisationskultur. Wenn alle Mitarbeiter/-innen sich über soziale Medien öffentlich zu Wort melden, dann ist die alte Hierarchie, die eine Pressemitteilung durchlaufen musste, hinfällig. „Das setzt eine Vertrauenskultur voraus“, weiß Föhr. Während Kristin Narr im dritten Workshop über effektive Nutzungsmöglichkeiten von sozialen Medien in der Internationalen Jugendarbeit diskutiert, stellen Regina Schmieg von Eurodesk Deutschland und Steffen Grothe vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk Erfahrungen mit Online-Kampagnen vor. Schmieg hat mit mehreren Partnern Mini-Kampagnen in sozialen Netzwerken initiiert, zuletzt zur Bewerbung des Formats Workcamp. Die Partner verständigen sich dabei auf den Inhalt von Posts, veröffentlichen ihn zeitgleich und erzeugen dadurch Aufmerksamkeit. Grothe hat zum 25-jährigen Jubiläum des Deutsch-Polnischen Jugendwerks eine Hashtag-Kampagne entwickelt. Jugendliche waren aufgerufen, ihre Erlebnisse im deutsch-polnischen Austausch unter einem gemeinsamen Hashtag zu veröffentlichen. Eine Kampagnen Webseite sammelte die Inhalte ein und vermittelte so ein Bild lebendiger Vielfalt.

Lobbyarbeit und Öffentlichkeitsarbeit bedingen sich gegenseitig

Grothes Idee einer Hashtag-Kampagne war im Vorfeld des Fachtags auf das Interesse der vorbereitenden Arbeitsgruppe gestoßen. Warum sollte man die Idee nicht für mehr Sichtbarkeit der Internationalen Jugendarbeit nutzbar machen? Aber wie? Am zweiten Tag der Veranstaltung wird in getrennten Arbeitsgruppen über Zielgruppen,  Hashtag, Kampagnen-Claim und Logo diskutiert. Als die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppen am zweiten Tag vorgestellt werden sind einige noch ratlos, wie das alles zusammenpassen soll. Social-Media-Kampagne schön und gut. Gemeinsam mit vielen Trägern ein lebendiges Bild der Internationalen Jugendarbeit vermitteln – ambitioniert, aber auch gut erstmal. Aber womit genau soll diese Kampagne unterlegt werden? Welche Formate nutzt sie für welche Zielgruppe? „Vielleicht sollte ich mal vorstellen, was wir uns in der AG Lobbyarbeit überlegt haben“, meint Gunnar Grüttner vom Deutschen Jugendherbergswerk. Diese Arbeitsgruppe des „Aktionsbündnisses Anerkennung International“ hat sich mit der Frage befasst, wie man politische Entscheidungsträger für die Ziele Internationaler Jugendarbeit ansprechen kann. Man hat sich für Besuche bei Bundestagsabgeordneten entschieden, die man im Sommer gemeinsam mit Jugendlichen während eines Aktionstags in ihren Wahlkampfbüros aufsuchen möchte. Die Jugendlichen werden dabei schildern, wie sie einen Jugendaustausch oder einen internationalen Freiwilligendienst erlebt haben. Auch Wünsche und Forderungen von lokaler und bundesweiter Bedeutung sollen vorgetragen werden. Eine Woche später sollen die Berliner Büros der Abgeordneten zu einem Politik-Barbecue eingeladen werden, um die Gespräche zu vertiefen.

Diese Ankündigung beflügelt die Ideenfindung für die Hashtag-Kampagne. Im zweiten Anlauf wird ein Hashtag gefunden, die Diskussion um die Zielgruppen findet zu einer Struktur, in der Jugendliche, Fachkräfte und Entscheidungsträger ihren Platz finden. Eine „Kerngruppe“ wird die nächsten Arbeitsschritte koordinieren. Eine Facebookgruppe soll die allgemeine Kommunikation aufrechterhalten – womit sich auch der Kreis zur Nutzung neuer Medien geschlossen hätte.

Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0


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