Anne Sorge-Farner

Non-formal erworbene Kompetenzen von besonderer Bedeutung

Die "PINK-Arbeitsgruppe" hat ein neues "Eckpunktepapier zur Anerkennung non-formal erworbener Kompetenzen junger Menschen auf dem Weg in Ausbildung und Beruf" erarbeitet. Wir sprachen mit Christian Hampel von der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit Nordrhein-Westfalen, einem Mitglied der Arbeitsgruppe, über diesen Vorschlag eines allgemeinen Anerkennungssystems von Kompetenzen.

Christian Hampel, LAG KJS NRW
Christian Hampel, LAG KJS NRW BildImage: privat

Christian Hampel ist Dipl.-Pädagoge und beschäftigt bei der Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit NRW in Köln, zuständig für die Bereiche Jugendberufshilfe, Anerkennung non-formaler Bildung und berufsbezogener internationaler Jugend- und Fachkräfteaustausch.

Die PINK-Arbeitsgruppe

„PINK“ steht für Projektgruppe informelle und non-formale Kompetenzen. Die – informelle – Arbeitsgruppe hat in den letzten Jahren einige Fachtagungen und Expertengespräche zum Thema Anerkennung non-formal erworbener Kompetenzen und EQR/DQR mit Unterstützung aus Wissenschaft und Forschung durchgeführt. Daraus ist auch das 2012 fertiggestellte Vorgängerpapier „Den Einstieg in den Beruf erleichtern“ hervorgegangen.

Die Autor(inn)en

  • Rita Bergstein (JUGEND für Europa)
  • Dr. Eberhard Funk (Deutscher Verein)
  • Christian Hampel (BAG KJS/LAG KJS NRW)
  • Dr. Birgit Marx (In VIA Akademie)
  • Andrea Pingel (Stabsstelle Kooperationsverbund JSA)
  • Klaus Wagner (AWO Bundesverband)
  • Walter Würfel (Geschäftsführer BBB e.V., IB)

Download: Kompetenzen junger Menschen anerkennen – den Berufseinstieg fördern

Sie veröffentlichen mit dem neuen Eckpunktepapier unter dem Titel „Kompetenzen junger Menschen anerkennen – den Berufseinstieg fördern“ in diesem Jahr eine überarbeitete Version eines Papiers von 2012. Was hat Sie dazu bewogen? Was ist neu daran?

Christian Hampel: Die Diskussion um das Thema Anerkennung non-formal erworbener Kompetenzen und eine mögliche Einordnung in den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) ist weiter gegangen und hat neue Erkenntnisse gebracht. Zum Beispiel hat der BIBB-Expertenmonitor kürzlich die besondere Bedeutung der individuellen Lernergebnisse betont, die außerhalb der Schule, Hochschule und Berufsbildung erworben werden. Er hat weiter festgestellt, dass für Geringqualifizierte – und man muss heute sicher ergänzen: für junge Flüchtlinge – die Anerkennung oft vielfältig vorhandener non-formaler Kompetenzen von besonderer Bedeutung ist.

Neu ist bei diesem Eckpunktepapier zum einen der Aufbau. Es werden Aussagen gemacht zu einem neuen Anerkennungssystem von Kompetenzen, die non-formal oder informell erworben wurden sowie zum organisatorischen Rahmen, zur Anerkennung der Bildungsträger und ihrer Angebote, zu fachkundigen Stellen und zum Validierungsprozess. Daneben bietet ein Glossar vertiefte Informationen zu bestimmten Aspekten, etwas zu Methoden der Kompetenzermittlung und zu Verfahren der Anerkennung in der beruflichen Bildung.

Das Papier macht einen Vorschlag für ein Anerkennungssystem von Kompetenzen, die in non-formalen und informellen Kontexten erworben wurden. An welche Zielgruppen haben Sie bei diesem System gedacht?

Christian Hampel: Die Zusammenstellung der Autor(inn)en bzw. der von ihnen vertretenen Arbeitsgebiete macht deutlich, dass in dem Eckpunktepapier verschiedene Gruppen junger Menschen im Blick sind, die im Rahmen der Jugendhilfe im Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf begleitet werden; bei der Jugendsozialarbeit sind dies im Wesentlichen sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte Jugendliche. Darüber hinaus geht es um junge Menschen, die etwa im Freiwilligendienst oder im internationalen Jugendaustausch verschiedene non-formale Kompetenzen erwerben, die beschrieben, bewertet und letztlich zertifiziert werden müssen, damit sie für die Teilnehmer/-innen nutzbar gemacht werden können.

In dem Papier sprechen Sie auch ein paar heiß diskutierte Aspekte des Themas an: die Fachkundigen Stellen. Was ist aus Ihrer Sicht eine sinnvolle Verortung? Was sollte eine Fachkundige Stelle leisten können?

Christian Hampel: Wenn Kompetenzen in der Jugendhilfe allgemein oder der Jugendsozialarbeit im Besonderen festgestellt werden sollen, muss eine Fachkundige Stelle eben in diesem Bereich angesiedelt sein und Kenntnisse haben. Sozialpädagogische Fachkräfte mit einer speziellen Fortbildung oder künftig mit einem eigenen Ausbildungsschwerpunkt sind in der Lage, non-formal und informell erworbene Kompetenzen junger Menschen festzustellen und die dafür notwendigen Verfahren anzuwenden.

Wenn Mitarbeiter/-innen der Fachkundigen Stellen aus dem Feld der Jugendhilfe kommen, kennen sie die Arbeitsbereiche und die Zielgruppen und sie sind für diese leicht und niedrigschwellig erreichbar. Damit sind sie in diesem Bereich besser geeignet als externe Organisationen.

Welche Herausforderungen oder Zwiespalte sehen Sie für die Jugendhilfe in der Thematik „Validierungssysteme“?

Christian Hampel: Wenn die von jungen Menschen erworbenen non-formalen Kompetenzen festgestellt und anerkannt werden sollen, bedarf es möglichst flächendeckender Anlaufstellen. Sie müssen leicht zugänglich sein, um auch Jugendliche anzusprechen, die dem Schul- und Berufsbildungssystem distanziert gegenüber stehen. Außerdem braucht es hierfür eine Verantwortlichkeit in der Kommune und einen rechtlichen Rahmen. Hier müssen wir wohl den Berufsbildungsexperten des Bundesinstituts für Berufsbildung im genannten Expertenmonitor zustimmen, die kaum die Möglichkeit sehen, dass die im Jahr 2012 vom Europäischen Rat ausgesprochene Empfehlung umgesetzt wird, in allen EU-Mitgliedsstaaten bis 2018 nationale Regelungen für die Anerkennung informell und non-formal erworbener Kompetenzen einzuführen. Wir hoffen aber, dass unser Eckpunktepapier gerade für die in der Jugendhilfe erworbenen Kompetenzen die Diskussion voranbringt und bemühen uns um eine Umsetzung der gemachten Vorschläge.



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