Jana Ehret

Gut geplant ist halb verankert!

Schauen, was da ist, ermitteln was gebraucht wird und dann bedarfsgerecht planen. Bei INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN haben sechs Kommunen über zwei Jahre erprobt, wie Internationale Jugendarbeit über die Jugendhilfeplanung verankert werden kann. In der neuen Handreichung geben sie wertvolle Tipps.

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Wissen Sie wie Jugendhilfeplanung geht? Fragt man das eine Fachkraft aus der Internationalen Jugendarbeit, kommen eher zögerliche Antworten. Die meisten verbinden mit diesem Prozess die finanzielle Ausstattung der Hilfen zur Erziehung, aber hinter Jugendhilfeplanung steckt mehr: Für alle Aufgabenfelder der Kinder- und Jugendhilfe müssen Einrichtungen und Dienste vorgehalten und finanziell ausgestattet werden. Das passiert in kommunalen Strukturen über einen aufwändigen Planungsprozess. Die Internationale Jugendarbeit wird vielerorts nicht als eigener Posten beplant, und daher scheint das Thema für viele Fachkräfte irrelevant – ist es aber nicht.

Ein ungewöhnliches Paar

Sechs Kommunen haben das erkannt und sich im Rahmen von INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN damit beschäftigt, wie ihre Jugendhilfeplanung und das Feld der grenzüberschreitenden Aktivitäten gemeinsam gedacht werden können. Die Grundidee des Projekts war, miteinander ins Gespräch zu kommen. Fragt man nämlich eine/n Jugendhilfeplaner/-in was Internationale Jugendarbeit ist, schaut man in mindestens genauso fragende Gesichter. Über zwei Jahre haben Fachkräfte aus der Internationalen Jugendarbeit und Jugendhilfeplaner/-innen sich in einer Qualifizierungsreihe mit den Grundlagen von kommunalen Kommunikations- und Planungsprozessen beschäftigt. Das Ergebnis war für beide Seiten eine positive Überraschung.

Berührungsängste abbauen

Einige der Fachkräfte aus der Internationalen Jugendarbeit hatte zu Beginn des Projekts allein der Gedanke an sozialwissenschaftliche Methoden zur Bestandsaufnahme noch Skepsis hervorgerufen. Bei der Abschlussveranstaltung stellt Andrea Schmidt dann doch ganz begeistert die Ergebnisse einer umfassenden Befragung der Träger und Schulen in Essen vor. Die Informationen helfen ihr, bedarfsgerechte Angebote zu entwickeln oder bestehende besser zu kommunizieren. Ihre Kollegin Petra Schmid aus der Jugendhilfeplanung freut sich über die handfeste Planungsgrundlage. Die Kooperation mit einer Fachhochschule für die Erhebung war für beide Seiten sogar eine solche Bereicherung, dass die nächsten Vorhaben schon in den Startlöchern stehen.

Genauer hinschauen, auch bei guten Bekannten

Hildegunde Rech und Sabine Herrmann sind ebenfalls zufrieden mit den Erkenntnissen, die sie im Rahmen einer Analyse gewinnen konnten. In Wiesbaden wurde eine ganze Reihe vorhandener Datensätze zusammengeführt, um die Gruppe der sogenannten benachteiligten Jugendlichen besser definieren und beziffern zu können. Die Zielgruppe war in aller Munde, tauchte auch in pädagogischen Konzepten für Internationale Jugendarbeit und andere Felder immer wieder auf – aber erst die Studie lieferte verlässliche Zahlen, so dass Maßnahmen nun besser auf die Jugendlichen zugeschnitten und finanziell unterlegt werden können.

Der Austausch lohnt sich

Auch bei Iris Wibbeler aus Steinfurt und den Kolleginnen Inge Kilian und Susanne Derzak aus Bremen hat sich über die zwei Projektjahre einiges bewegt. An beiden Orten wurden sogenannte Qualitätsdialoge eingeführt bzw. ausgebaut – ein Zyklus zur besseren Kommunikation zwischen kommunaler Verwaltung, Trägern und Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe – und hat sich als sehr hilfreich erwiesen, um regelmäßig Informationen über die Internationale Jugendarbeit zu sammeln. Die Qualitätsdialoge ermöglichen es darzustellen, welche transnationalen Projekte bereits gemacht und welche Zielgruppen damit erreicht werden.

Aus den Gesprächen geht aber auch hervor, was die Praxis braucht, um sich weiterzuentwickeln: Zu welchen Themen gibt es Fortbildungsbedarf? Warum trauen sich manche Träger nicht grenzüberschreitende Projekte zu machen? Wo gibt es bei der Arbeit mit besonderen Zielgruppen noch Lücken in der Finanzierung? Qualitätsdialoge nehmen zwar Zeit in Anspruch, aber bauen Vertrauen auf und ermöglichen Einblicke in die Praxis, die eine bedarfsgerechte Planung braucht.

Mehr ist nicht immer besser

Stärkung der Internationalen Jugendarbeit bedeutet hier nicht nur mehr Projekte, mehr Jugendliche, mehr Partnerländer. Grenzüberschreitende Lernerfahrungen sind für junge Menschen prägende Ereignisse und müssen daher pädagogisch gut vorbereitet und betreut sein. Im Mittelpunkt des Arbeitsfelds steht für Gerold Maelzer und Reinhard Hoffmann aus Berlin Steglitz-Zehlendorf und Ulrich Kötter aus Hamm immer auch die Qualitätssicherung. Was ist eine gute Maßnahme? Was müssen die Teamer wissen und können? Was gilt es mit Blick auf unterschiedliche Zielgruppen zu beachten? Mit Hilfe von Checklisten und einem Qualitätshandbuch sind solche Standards nun festgelegt. Jetzt können auch mehr internationale Maßnahmen kommen, aber bei der Qualität gibt es kein Zurück mehr. 

Nicht alles geht immer nach Plan, aber sinnvoll ist es trotzdem

Das ursprüngliche Ziel des Projektes war, die Internationale Jugendarbeit fest in die Jugendhilfeplanungsprozesse vor Ort einzubinden. Im Laufe der zwei Jahre wurde aber in einigen Kommunen schon klar, dass zunächst andere Meilensteine erreicht werden müssen. Die Methoden der Jugendhilfeplanung lassen sich nicht 1:1 auf die Arbeitsweise und Herausforderungen im Bereich der grenzüberschreitenden Lernerfahrungen übertragen. Eine Annäherung der beiden Felder ist möglich, aber Dialogprozesse, Qualitätsstandards und Evaluationsinstrumente müssen nachhaltig etabliert werden. Die sechs Kommunen haben sich im Rahmen von INTERNATIONALE JUGENDARBEIT IM PLAN auf diesen Weg begeben und werden diesen weiter gehen.

Verbessern Sie auch Ihre Planung – die IJiP-Handreichung zeigt wie es geht!

Was jetzt schon klar ist: Regelmäßig zu reflektieren, ob die eigene Arbeit eigentlich noch den Bedürfnissen der Zielgruppen und den Gegebenheiten vor Ort entspricht, ist kein Zeitverlust, sondern eine Bereicherung. Denn eine bedarfsgerechte Planung bringt der Internationalen Jugendarbeit langfristig nicht nur finanzielle Vorteile, sondern steigert auch ihre Qualität. Wie eine gute Planung in der Praxis aussehen kann, welche Fettnäpfchen Sie umgehen sollten und welche Maßnahmen besonderes erfolgsversprechend sind, verraten Ihnen die sechs Kommunen in der Handreichung „Internationale Jugendarbeit kommunal verankern – Instrumente der Jugendhilfeplanung erfolgreich nutzen!“. Diese können Sie jetzt hier herunterladen - oder bestellen Sie kostenlos ein gedrucktes Exemplar in unserem Bestellshop.



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