Christian Herrmann

Innovationsforum Jugend global: Die nächsten Produktideen sind auf dem Weg

Die Fachkolloquien des „Innovationsforums Jugend global“ sind ein noch junges Format unter den IJAB-Veranstaltungen: Zum zweiten Mal kamen am 1. und 2. Oktober Expertinnen und Experten der Internationalen Jugendarbeit in Bonn zusammen, um die auf der Online-Plattform des Innovationsforums eingegangenen Vorschläge für Qualifizierungsangebote zu sichten, zu diskutieren und zu neuen Produkten zu entwickeln.

Wer Qualifizierungsangebote für die Internationale Jugendarbeit entwickeln möchte, hat ein Interesse, zu wissen, welche Angebote bereits bestehen und welche gewünscht werden. Das Modellprojekt „Grenzüberschreitende Lernmobilität ermöglichen“ hat hierzu zwei Online-Befragungen durchgeführt. Erstmalig wurden im Feld der Kinder- und Jugendhilfe Daten über Qualifizierungs- und Unterstützungsangebote für Fachkräfte im Bereich grenzüberschreitender Mobilität systematisch ermittelt. Christoph Kriege, Koordinator des Modellprojekts bei JUGEND für Europa, stellte nicht nur die Ziele des Modellprojekts vor. Er präsentierte auch erstmalig Zahlen aus den beiden Befragungen. Allerdings, so Kriege, hüte er sich davor, diese Zahlen zu interpretieren. Dies sei Aufgabe der beteiligten Wissenschaftler, denen er nicht vorgreifen wolle.

Dennoch überraschen in einigen Punkten bereits die schieren Zahlen. So ist es beispielsweise bemerkenswert, dass eine hohe Anzahl der Befragten bereits in internationalen Netzwerken aktiv ist oder dass die Kooperation mit Partnern in der formalen Bildung verbreiteter ist als vermutet.

Rechtsextremismus als Thema in der Internationalen Jugendarbeit

Ansgar Drücker vom Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit e. V. (IDA) stellte ein erstes Anliegen aus dem Innovationsforum vor. Drücker vermutet, dass die Internationale Jugendarbeit nicht ausreichend auf Rechtsextremismus vorbereitet ist. Anschaulich stellte er dar, welche Gefährdungen bei internationalen Maßnahmen durch lokale Nazigruppen möglich sind und auch vorkommen. Stereotypen und verletzendes Verhalten könnten aber auch in jeder internationalen Begegnung von den Teilnehmer(inne)n selbst kommen. Nicht immer sei gewährleistet, dass Teamer damit adäquat umgehen könnten. Drücker hatte mit diesem Thema offensichtlich einen Nerv bei den Teilnehmer(inne)n des Fachkolloquiums getroffen. Mehrere berichteten von Erfahrungen, die Drückers These stützten. Etwas habe sich jedoch auch in den letzten Jahren gewandelt. Träger seien heute bereiter, unangenehme Vorkommnisse offen anzusprechen und nicht aus Angst vor Beschädigung unter dem Teppich verschwinden zu lassen.

Die politische Dimension der Internationalen Jugendarbeit

Sandra Kleideiter von der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz machte sich in ihrem Beitrag für die politische Dimension der Internationalen Jugendarbeit stark. Diese politische Dimension sei grundsätzlich immer vorhanden, sie werde aber konzeptionell immer weniger ins Auge gefasst, sei gegenüber der Betonung von Persönlichkeitsentwicklung, non-formalem Lernen und Mobilität zu Lernzwecken kaum noch wahrnehmbar. Zudem sei fraglich, ob Teamer darauf vorbereitet seien, politische Diskussionen im geeigneten Moment aufzugreifen und zu moderieren. In der Internationalen Jugendarbeit seien vielfältige Möglichkeiten vorhanden, Demokratie zu lernen, so Kleideiter, diese gingen aber zunehmend verloren. Die meisten Diskussionsteilnehmer/-innen folgten Kleideiters Argumentation, auch wenn eingewandt wurde, dass man nicht mit einem weiteren Qualifizierungsangebot zur Überforderung von Teamern beitragen solle.

Deutsch-Türkische Sprachanimation

Michael Schwarz vom Bayerischen Jugendring stellte das dritte mögliche Produkt vor – ein Modul zur Sprachanimation im deutsch-türkischen Jugendaustausch. Sprachanimation ist eine spielerische Methode des Spracherwerbs, die bereits im deutsch-tschechischen und deutsch-polnischen Jugendaustausch genutzt wird. Allerdings, so Schwarz, lassen sich die einzelnen spielerischen Übungen nicht einfach auf eine andere Sprache übertragen. Denn es sei auch das Ziel Informationen über die besondere Kultur eines Sprachraums zu vermitteln. Das bereits in Teilen entwickelte deutsch-türkische Modul sei auch keineswegs ausschließlich für internationale Begegnungen gedacht. Angesichts der großen Anzahl türkischstämmiger Jugendlicher sei es vielfältig in der Jugendarbeit einsetzbar und trage zur Wertschätzung der türkischen Sprache und Kultur bei. Gesucht werden nun „Mittäter“, die bereit sind, an der Weiterentwicklung des Moduls mitzuarbeiten und es schließlich Dritten in geeigneter Form zur Verfügung zu stellen.

Nun hätten sich die Teilnehmer/-innen des Fachkolloquiums für zwei der drei Themen entscheiden müssen, die dann zu einem fertigen Produkt weiterentwickelt werden sollen. Die Entscheidung fiel so schwer, dass man sich für das Prinzip „buy 2, get 1 free“ entschied. Alle drei Vorschläge werden nun weiterverfolgt. Dafür wurden im Fachkolloquium bereits erste Ideen gesammelt. So wurde unter anderem ein Fachtag zum Thema Rechtsextremismus erwogen und eine Anfrage an den „Forscher-Praktiker-Dialog“ zur politischen Dimension in der Internationalen Jugendarbeit. In Entwicklungswerkstätten Ende des Jahres wird an diesen Ideen weitergearbeitet werden.

Parallel dazu läuteten die Moderatorinnen Kerstin Giebel und Ulrike Werner bereits die nächste Runde des Innovationsforums Jugend global ein. Bereits jetzt können Vorschläge für das kommende Jahr eingereicht werden.

Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0


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