Kerstin Giebel

Internationale Jugendarbeit gegen Hassrede

IJAB hat sich in einem trägerübergreifenden Diskurs mit der Frage beschäftigt, welchen Beitrag das Arbeitsfeld Internationale Jugendarbeit beim Umgang mit Hassrede leisten kann. Eine gemeinsam mit dem Europarat herausgegebene Broschüre beleuchtet das Ergebnis.

Eine Gruppe von Menschen posiert mit einem Schild mit der Aufschrift NO HATE.
BildImage: Christian Herrmann

Mit der Online-Publikation „COMBATTING HATE SPEECH through Human Rights Education within International Youth Work“ setzen die beteiligten Institutionen ein Zeichen gegen Hassrede, mit der sich Menschen im Alltag konfrontiert sehen. Darüber hinaus leistet die Broschüre einen Beitrag zur Stärkung der Nationalen No Hate Speech-Kampagne in Deutschland, die zugleich Teil der weltweiten No Hate Speech-Bewegung ist.

Von der Idee zur Umsetzung

Die Publikation ist das Ergebnis eines trägerübergreifenden Diskussionsprozesses, den IJAB im Oktober 2016 auf der Online-Plattform Innovationsforum Jugend global startete. Mit Unterstützung erfahrenen Trainer(inne)n zu den Themen Menschenrechtsbildung und No Hate Speech wurde ein Trainingskonzept entwickelt, das im Juni 2017 in die Tat umgesetzt wurde.

In Kooperation mit dem Europarat, den Neuen deutschen Medienmachern, der Europäischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Weimar sowie der Amadeu Antonio Stiftung fand in Weimar ein viertägiges Pilot-Training zum Thema Combatting Hate Speech statt, das sich an Multiplikator(inn)en der Internationalen Jugendarbeit und an Medienmacher/-innen aus dem In- und Ausland richtete. Daran schloss sich ein eintägiges Expert(inn)en-Meeting an, in dem – basierend auf den Ergebnissen des Trainings – der Fachdialog mit Akteuren aus Politik, Forschung, Stiftungen und der Presse vertieft wurde. Die Resonanz auf die Ausschreibung war groß, Bewerberbungen kamen aus Europa, Asien und sogar aus Kanada. Aufgrund begrenzter Mittel konnte nur ein Teil der Interessent(inn)en berücksichtigt werden. Dank der gemeinsamen Förderung des Projekts durch das BMFSJ und den Europarat konnten mehr als 30 Fachkräfte aus 13 Ländern daran teilhaben.

Trainingsinhalte

Das Trainingskonzept für die Veranstaltung in Weimar basierte auf den Erfahrungen des Europarates mit der Reihe „Bookmarks“, sowie anderer Tools im Bereich der Menschenrechtsbildung, die z.B. durch das Grimme-Institut und die Antonio Amadeu Stiftung entwickelt worden waren und in unterschiedlichen Kontexten zur Anwendung kommen. Das Konzept wurde um Besonderheiten der Internationalen Jugendarbeit ergänzt. Zum anderen ging es darum, herauszufinden, ob es möglich ist, methodische Ansätze zur Bekämpfung von Hass aus der non-formalen Bildung in die formale Bildung zu übertragen und umgekehrt.

Der Win-Win-Effekt: Good Practise

Im Training arbeiteten die Trägervertreter/-innen in Tandems bzw. Trios zusammen und machten sich gemeinsam Gedanken, wie es gelingen kann, ein von ihnen entwickeltes Projekt grenzüberschreitend auf den Weg zu bringen. Entsprechend wertvoll für den Prozess war die Expertise von CGE Erfurt e.V. in Zusammenarbeit mit der EJBW, da sie bereits mehrfach bi- und multinationale Jugendbegegnungen zu eben diesem Thema durchgeführt hatten, aber auch von anderen Akteuren wie der European Youth Press, dem Euro-Mediterranean Resources Network, der Global Youth Union in Armenien, dem Medialab Quindo in Belgien und AEGEE Europe / European Students` Forum in der Ukraine und Aktivist(inn)en der No Hate Speech-Kampagne. Sie alle bereicherten die Veranstaltung und zeigten auf, welche Bedarfe und Ressourcen in ihren Ländern und Strukturen bestehen. Nicht zuletzt bietet IJAB selbst mit seinem Qualifizierungsportfolio und einer Schriftenreihe zu den Themen Politische Dimension, Arbeit mit Geflüchteten, Inklusion und Interkulturelle Kompetenz eine Menge Knowhow, um das Anliegen zu unterstützen. Was bleibt? Die in Weimar begonnenen Prozesse hallen weiter nach. Einige der Ideen wurden weiterverfolgt. Die vorliegende Broschüre greift diese auf und ermuntert Leser/-innen, sich stärker mit dem Thema auseinanderzusetzen und eigene Projekte zu initiieren.

IJAB bedankt sich bei allen, die am Zustandekommen der Broschüre beteiligt waren.

Die Veröffentlichung von IJAB in Kooperation mit dem Europarat steht zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Die No Hate Speech-Bewegung

Um gegen Hass und Diskriminierung im Internet vorzugehen, hat der Europarat im März 2013 die No Hate Speech Movement ins Leben gerufen. Ziel ist es, sich offensiv gegen Hetze zu positionieren, Gegenstrategien zu entwickeln und Betroffene zu unterstützen. Am 22.Juli 2016 startete die deutsche Kampagne. Die Koordinierung der Kampagne obliegt den Neuen deutschen Medienmachern. Dahinter verbirgt sich ein bundesweiter Zusammenschluss von über 1.000 Medienschaffenden mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln. Sie wollen insbesondere Jugendliche und junge Medienschaffende beim Umgang mit Hate Speech in Online-Medien und Sozialen Netzwerken stärken. IJAB als Mitglied des Nationalen Kampagnen Komitees war und ist es wichtig aufzuzeigen, dass Internationale Jugendarbeit einen Beitrag zur gewaltfreien Kommunikation leisten kann. Das zunächst in englischer Sprache veröffentlichte Handbuch zur Kampagne liegt inzwischen auch in deutscher Übersetzung vor.

Nähere Informationen zur nationalen und weltweiten Kampagne unter:
www.neuemedienmacher.de, www.no-hate-speech.de sowie www.nohatespeechmovement.org

Lizenz: INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0


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